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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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130 Beilagen.

dessen verliess Karl IL, König von England, mit seinem Bruder, dem Herzogevon York , Frankreich und begab sich in die Niederlande , wo er einen Bundmit Spanien schloss. Anfang Mai concentrirte Turenne sein Heer bei Amiensund beabsichtigte, durch einen Marsch zum Meeresufer die spanische Armeedorthin aus Flandern abzuziehen. Aber das späte Eintreffen der englischenHülf'struppen hinderte ihn an der Ausführung dieses Planes. Inzwischen con-centrirte sich die spanische Armee in Flandern. Da stellte Turenne einenandern Operationsplan auf: La Ferte wurde in das Luxemburgische gesandt,um dort den Prinzen Conde aufzuhalten, und Turenne, zwischen ihm und demenglischen Hülfscorps am Meeresufer, wollte zuerst zum Flusse Lys marschiren,dann sich nach Cambrai wenden und diese für ihn und die Spanier so wichtigeFestung erobern. Er besann auch diesen Plan auszuführen, indem er einengeschickt angelegten Geschwindmarsch zum Flusse Lys machte und dann nachCambrai vorrückte und dasselbe blokirte (29. Mai). Zu der nämlichen Zeitaber zog Conde mit seiner ganzen Keiterei in sehr geschickten und kühnen Eil-märschen aus dem Luxemburgischen nach Valenciennes und von dort nachCambrai, warf die Reiterei Turenne's und rückte in die Citadelle von Cambraiein, obschon er dabei 30 Officiere und 3400 Reiter verlor. Nun hob Tu-renne die Blokade von Cambrai auf, zog die englischen Truppen zu sich heran,verstärkte La Ferte\ der unterdessen Montmedy erobert hatte, und war, da ersich zwischen zahlreichen Festungen befand, unter den damaligen Umständengezwungen, sich auf die Defensive, wenn auch nur für kurze Zeit, zu be-schränken. Don Juan marschirte zuerst in die Gegend zwischen den FlüssenSambre und Maas und von dort in Eilmärschen nach Calais, aber da er esnicht nehmen konnte, ging er zur Maas zurück und machte somit drei Mal,ohne jeglichen Nutzen und Erfolg, den Marsch zur Maas nach Calais und zu-rück. Nachdem er hierauf seine Truppen in Luxemburg verstärkt hatte, wollteer allem Anscheine nach in Frankreich einfallen. Dies bewog Turenne nachRocroy zu marschiren. Dorthin wandte sich auch Don Juan. Zunächst blo-kirte und belagerte Turenne die kleine Festung St. Venant. Sofort erschienhier auch Don Juan, aber ohne Turenne anzugreifen; vielmehr marschirte ernach Ardres und blokirte diese Stadt. Nachdem Turenne St. Venant eroberthatte, schickte er 5000 Mann Reiterei Ardres zu Hülfe. In Folge dessen hobDon Juan die Blokade auf und marschirte nach Gravelines und Dünkirchen.Turenne folgte ihm und in nächster Nähe von ihm und ohne jegliches Hinder-niss von Seiten Don Juans belagerte und eroberte er das Fort Mardick und be-setzte es mit englischen Truppen. Bald darauf endete der Feldzug und die beidenfeindlichen Armeen bezogen Winterquartiere. Auch in diesem Feldzuge, beiden unbedeutenden Operationen desselben, passte Turenne musterhaft seineeigenen Handlungen dem Charakter seiner Gegner, den Umständen und derOertlichkeit an und zeichnete sich wie früher in der Manövrirkunst aus.

Noch im Winter des Jahres 1658 nahmen die Umstände eine so un-