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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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128 Beilagen.

Punkten ab, die ihn mit Proviant und Kriegsbedarf versorgten. Als aber nachsieben Wochen der Feind die Belagerungsarbeiten schon biszurContre-Escarpedes Ravelins bewerkstelligt hatte, und die Festung an Allem Noth litt, sich in-zwischen auch Stenay übergeben hatte, zog Turenne die Armee La Ferte's,welche vor letztgenannter Festung gelegen hatte, sowie das Corps des Mar-schalls Hocquincourt zu sich heran, umging mit diesen die Contravallationslinieder Spanier und griff in der Nacht vom 24. zum 25. August den schwächstenTheil derselben in drei Colonnen an, drang in die Linie ein und brachte dieganze spanische Armee in Unordnung und Verwirrung, so dass sie gezwungenwar, die Belagerung aufzuheben und sich in die Niederlande zurückzuziehen,nachdem sie 60 Geschütze, 24000 Mann an Todten und Gefangenen,das ganze Lager und den Train eingebüsst hatte. Dieser glänzende ErfolgTurenne's, den er in Folge geschickter Combinationen, Bewegungen und Opera-tionen errungen, brachte ihm grossen Ruhm. Ludwig XIV. vertraute ihm denalleinigen Oberbefehl über alle bei Arras concentrirten französischen Truppenan, und Turenne überschritt mit diesem Heere die Scheide, in der Absicht, nachBrüssel zu marschiren. Aber Conde verlegte ihm mit seinen Truppen denWeg, und Turenne ging im November nach Maubeuge zurück und bezog imUecember Winterquartiere. Somit beschränkte sich der Feldzug dieses Jahresauf die Eroberung Stenay's durch die Franzosen und auf die Belagerung vonArras seitens der Spanier, die Turenne gezwungen hatte, die Belagerung auf-zuheben und sich mit Verlust in die Niederlande zurückzuziehen. Aber dieOperationen Turenne's, besonders unter den Mauern von Arras, machen diesenFeldzug bemerkenswerth und gereichen Turenne zur Ehre.

Im Jahre 1655 waren zuerst die beiden gegnerischen, gleichstarken Ar-meen folgendermassen aufgestellt: die französische bei Guise und Laon, diespanische in der Nähe von Landrecies (Conde) und bei Mons (Erzherzog Leo-pold). Turenne belagerte und eroberte zunächst Landrecies und dann LaCapelle. In Folge dessen zog sich Conde" hinter die Scheide zurück und nahmdort eine starke Vertheidigungsposition ein. Aber Turenne umging durch einegeschickt ausgeführte Flankenbewegung und zweimaligen Uebergang über dieScheide die Stellung Conde's und nöthigte ihn dadurch zum Bückzuge, wobeier ihm im Arrieregarden-Gefechte ziemlich bedeutenden Verlust beibrachte. Da-bei fing Conde einen Brief Turenne's anMazaiin über diese Gefechte auf, fühltesich verletzt, dass Turenne über seine (Condö's) Handlungen sprach, schrieban Turenne einen stark beleidigenden Brief und von der Zeit an wurden diebeiden Freunde Feinde. Inzwischen eroberte Turenne die kleinen FestungenConde und St. Ghislain, während Conde" seinen Rückzug fortsetzte. Der Erz-herzog endlich, der die Offensivbewegungen Turenne's sah, verstärkte dieGarnisonen der Festungen, schwächte aber dadurch aufs Aeusserste seineFeld-armee und verharrte in Unthätigkeit. Uebrigens geschah ausserdem nichtsWichtiges, und Ende November bezogen beide Theile die Winterquartiere.