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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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I. Turenne. 127

anderseits (25,000 Mann) wurden östlich vonParis ausgeführt, und hatten dieVerteidigung der Hauptstadt durch Turenne zum Zweck. Der Feind eroberteRethel, noch einige andere Städte und schliesslich Bar-le-Duc. Turenne, derdies nicht hindern konnte, marschirte hinter Conde her, der sich nach derluxemburgischen Grenze zurückzog, und wollte ihn zur Schlacht zwingen.Conde aber wich dem Kampfe aus und mit seinem Einmärsche in das Luxem-burgische hatte dieser Feldzug sein Ende erreicht (schon im Winter 1652 bis1653). Im Allgemeinen hat Turenne in diesem Feldzuge wenngleich mit sehrschwachen Streitkräften gegen den an Zahl bedeutend überlegenen Feind undauf einem kleinen Landstriche, sehr geschickt operirt und manövrirt; er wardie Hauptursache, dass alle Unternehmungen Conde"s und seiner Verbündetenfruchtlos blieben, alle feindlichen Heere sich aus Frankreich entfernten, derFrondekrieg sein Ende fand und der König mit seinem Hofe nach Paris zurück-kehrte.

Im Jahre 1653 machte Turenne mit nicht mehr als 1618,000 Mann(78000 Mann Fussvolk und 910,000 Mann Keiterei) einen sehr bemer-kenswerthen Feldzug gegen die zwei Mal so starke vereinigte Armee des Erz-herzogs Leopold Wilhelm und Condö's (16,000 Mann Fussvolk, 11,000 MannKeiterei und 3040 Geschütze). Letztere marschirte von Rethel an der Aisnein die Picardie, und Turenne folgte ihr von der Seite, indem er stets zwischonihr und Paris Stellung nahm und den Weg dorthin deckte. Er hatte beschlossen,seine kleine Armee stets concentrirt zu halten und zwar nach Möglichkeit näherzur stärkern feindlichen Armee hin, aber ungeachtet seines sehr geschicktenManövrirens durch Uebergang aus einer Position in die andere, wäre er fastvon den überlegenen feindlichen Streitkräften bei Pöronne an der Somme an-gegriffen worden. Jedoch das Glück begünstigte seine Kühnheit und Geschick-lichkeit: trotz seiner Ueberlegenheit an Streitkräften operirte der Erzherzogsehr langsam , unentschlossen und ungeschickt, blieb oft in Unthätigkeit undmarschirte schliesslich nach Einnahme einiger unwichtigen Punkte in die Nieder-lande. Nun deckte und sicherte Turenne die Festungen in der Picardie undFlandern und bezog zwischen denselben Winterquartiere. So hatte er durchseine äusserst kühnen, sogar tollkühnen Operationen, fast ausschliesslich durchManövriren, der stärkern feindlichen Armee den Einmarsch nach Frankreichund den Weg nach Paris verlegt.

Im Jahre 1654 wurde der Feldzug am Ende des Frühjahrs mit der Be-lagerung von Stenay seitens der französischen Armee unter dem MarschallLa Forte" eröffnet. Das Heer Turenne's (15,000 Mann stark) stand im Grenz-gebiete der Champagne zusammengezogen. Die vereinigte Armee des Erz-herzogs und Condö's aber (30,000 Mann) rückte aus den Niederlanden heranund belagerte im Juli Arras. Turenne marschirte der bedrohten Festung zuHülfe, stellte sich in nächster Nähe der feindlichen Armee auf, umzingelte die-selbe nach und nach durch seine Detachements und schnitt den Feind von allen