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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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118 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

In Folge der begonnenen Friedensverhandlungen zu Utrecht war imJahre 1712 den englischen Truppen die Weisung ertheilt, sich einzigauf Defensivoperationen zu beschränken. Prinz Eugen aber, dem anStelle Malborough's der Oberbefehl über die verbündete Armee anver-traut war, hatte von Karl VI. (dem frühern Erzherzog und Prätendentendes spanischen Thrones) den Befehl erhalten, auf das Entschiedensteoffensiv zu operiren. Somit war schon gleich zu Anfang des FeldzugesGrund zur Uneinigkeit unter den Verbündeten gegeben. Im Besitze vonAntwerpen, Oudenaarde, Tournai, Ath, Mons, Dendermonde, Menin,Lille, Bethune, Aire, St. Venant, Douai und Bouchain, war den Verbün-deten die Möglichkeit geboten, ungehindert in die französischen ProvinzenArtois und Picardie einzudringen und den im Jahre 1710 entworfenenPlan auszuführen. Allein Prinz Eugen wählte zum Einmarsch nachFrankreich den allerstärksten Theil der Nordgrenze desselben, von demFlusse Sambre her, hielt es aber zur Erleichterung dieses Unternehmensfür nothwendig, zuvörderst die Festungen Quesnoy und Landrecies zu er-obern, und eröffnete daher den Feldzug mit der Belagerung der ersteren.Da jedoch die Franzosen hier die Festungen Maubeuge, Valenciennes,Cambrai und Arras inne hatten, die dem Prinzen Eugen bei seinemMarsche über Quesnoy und Landrecies im Rücken und in der Flanke blei-ben mussten, so ist es schwer zu verstehen, auf welche Weise ihm diebeiden zuletzt genannten Festungen den Weg nach Frankreich öffnenkonnten. Man muss voraussetzen, dass er die Absicht hatte, die fran-zösischen Grenzgebiete nur zu verwüsten, um die Franzosen dadurcheinzuschüchtern, theils aber auch, um seine Armee auf Kosten des feind-lichen Landes zu unterhalten. In der That sandte er während derBelagerung von Quesnoy 1200 Mann Reiterei aus, um die Champagneund Lothringen zu verheeren. Unterdessen concentrirte bei Beginn desFeldzuges Villars seinerseits eine Armee von etwa 93,000 Mann zwischenArras und Cambrai in der Absicht, gegen die Verbündeten entschiedenzu operiren.

Im Monat Juli entfernten sich die englischen Truppen aus denNiederlanden, und Prinz Eugen belagerte, nach der Eroberung vonQuesnoy, Landrecies, indem er mit seiner Hauptmacht, zur Deckung derBelagerung, zwischen den Flüssen Sambre und Scheide Stellung nahm;seine Hauptmagazine hatte er in Marchiennes hinter den Flüssen Scheideund Scarpe. Zur Sicherstellung der Communicationen der Armee mitdiesen Magazinen war bei Denain über die Scheide eine stehende Brückegeschlagen , die auf dem rechten Ufer durch einen Brückenkopf gedecktwurde, zwischen Marchiennes und Denain aber eine doppelte, befestigteLinie hergerichtet. In Denain selbst befanden sich 13,000 Mann. Villarserhielt den Befehl, den Feind zur Aufhebung der Belagerung von Land-