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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige. 119

recies zu zwingen, und machte daher Scheinvorbereitungen zum An-griffe auf das linke Ende der Circumvallationslinie des Prinzen Eugenbei Landrecies, und sobald letzterer auf diesem Punkte einen grossenTheil seiner Streitkräfte concentrirt hatte, liess Villars gegen ihn einkleines Detachement zurück und marschirte unbemerkt mit seiner ganzenArmee nach Denain. Nachdem er unterhalb Bouchain mit seiner Avant-garde über die Scheide gegangen, eroberte er ohne Mühe die doppelt be-festigten Linien, und als er vom Marsche des Prinzen Eugen nach DenainKunde erhielt, griff er sofort den Brückenkopf mit 40 deployirten Ba-taillonen Infanterie, das eine hinter dem andern aufgestellt, an (daher derName »Denainsche Colonne«). Diese Colonne griff den Feind, der denBrückenkopf besetzt hielt, ungestüm mit dem Bajonnet an, warf ihn inden Fluss, vernichtete ihn und nahm ihn zum Theil gefangen. Somithatte zum zweiten Male der Angriff der Infanterie in Colonnen mit demBajonnette, zum ersten Male in der Schlacht am Speierbache ange-wandt (im Jahre 1703), einen grossen und vollständigen Erfolg er-rungen. Nach Ankunft der Hauptmacht der französischen Armee eroberteVillars Marchiennes, Prinz Eugen dagegen, der die Scheide erst nachder Niederlage seiner Truppen und der Einnahme des Brückenkopfes er-reicht hatte, war gezwungen, die Belagerung von Landrecies aufzuhebenund sich über Mons nach Tournai zurückzuziehen, und unternahm biszum Ende des Feldzuges nichts Wichtiges. Villars aber, der nach demAbschlüsse eines Waffenstillstandes mit den Engländern seiner Armeenach dem Siege von Denain die Garnisonen von Ypern, Dünkirchenu. a. m., sowie die Garnisonen von Valenciennes und Conde einverleibthatte, war jetzt um fast 20,000 Mann stärker als sein Gegner, hatteausserdem auf seiner Seite noch das moralische Uebergewicht in Folgedes soeben erfochtenen Sieges und endigte den Feldzug durch Belage-rung und Eroberung der Festungen Douai, Quesnoy und Bouchain.