Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
Entstehung
Seite
117
Einzelbild herunterladen
 

4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 117

Linien auf, warf das Centrum der französischen Armee durch einen ent-schiedenen Angriff auf dasselbe und zwang es zusammen mit dem rechtenFlügel nach Quesnoy zu entweichen, während der linke Flügel ge-zwungen wurde, nach Valenciennes zu flüchten. Die Verbündeten hattenden Sieg theuer erkauft und von demselben gar keinen Nutzen. Diefranzösischen Truppen kämpften mit solcher Hartnäckigkeit und Tapfer-keit , und die Schlacht war so blutig, dass die Verbündeten in derselben25,000 Mann (die Franzosen gegen 8000 Mann) verloren, und die Folgendes Sieges für sie beschränkten sich darauf, dass sie Mons unbehindertbelagerten und eroberten.

In der Schlacht bei Malplaquet ist die Aufstellung bemerkenswerth,in welcher die Truppen beider Parteien operirten. Die Verbündeten, diebedeutende Streitkräfte hatten und gezwungen waren, sie in Massen zudrängen, stellten ihre Truppen zum Angriffe in Colonnen auf, die ausmehreren deployirtenLinien, eine hinter der andern formirt waren. Ganzebenso war die Infanterie und die Reiterei der Franzosen im Centrumihrer Armee aufgestellt.

Der Feldzug im Jahre 1709 wäre wahrscheinlich erfolgreicher fürdie Franzosen gewesen, wenn die Operationen Villars' nicht beständigdurch Mangel an Verpflegungsmitteln, in Folge eines Misswachses, zuleiden gehabt hätten, und wenn Villars in der Schlacht bei Malplaquetnicht schwer verwundet worden wäre.

Die Verbündeten beabsichtigten im Jahre 1710, nachdem sie ihreArmee auf eine Stärke von 140,000 Mann gebracht, am Anfange desFrühlings die Festungen Douai und Arras zu erobern, sich mit den eng-lischen Truppen, die an den Küsten der Niederlande landen sollten, zuvereinigen, sich nach Abbeville zu wenden und, nachdem sie sich einenWeg nach Frankreich gebahnt, Boulogne und Calais zu erobern. Diesergrosse und complicirte Operationsplan war gar nicht der damaligenmethodischen Kriegführungsart entsprechend und hatte daher auch keinenErfolg. Fast der ganze Feldzug bestand in Belagerungen von Festungen;Villars gelang es, die Festung Arras zu decken, und alle Erfolge derVerbündeten beschränkten sich auf die Eroberung der Festungen Douai,Bethune, Aire und St. Venant. In diesem Feldzuge ist bemerkenswerth,dass Villars mit 80,000 Mann beständig den Kampf suchte, die Verbün-deten aber, die sich sogar auf 160,000 Mann verstärkt hatten, stets demKampfe auswichen.

Im Jahre 1711 übten der Wechsel im englischen Ministerium undder Tod des Kaisers Joseph I. einen wichtigen Einfluss auf den Gang derKriegsoperationen aus. Gleiche Ursachen bewogen beide Parteien,nichts Entscheidendes vorzunehmen, und daher war das einzige ResultatdesFeldzuges die Eroberung der FestungBouchain durch die Verbündeten.