11 ü II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
Im Jahre 1709 war die auf 80,000 Mann verstärkte französischeArmee in einer starken aber sehr ausgedehnten Position zwischen Aunayund Bethune aufgestellt. Villars, der dieselbe an Stelle Vendöme's be-fehligte , folgerte aus den Märschen der Verbündeten zum Flusse Lys,dass die Letzteren Aire und St. Venant zu erobern und dann in diePicardie oder sogar nach Paris vorzurücken beabsichtigten. Obwohldiese seine Folgerung nicht in Erfüllung ging, so beweist sie doch , dasser die Möglichkeit und Wichtigkeit eines solchen Unternehmens erkannte.Als er sich schliesslich überzeugt hatte, dass alle Operationen der Ver-bündeten nur die Belagerung von Tournai zum Zwecke hatten, und erwusste, dass diese Belagerung ihnen viel Zeit rauben und wenig Nutzenbringen würde, hinderte Villars die Belagerung nicht, sondern nähertesich nur Tournai, indem er seine Hauptmacht zwischen Marchiennes undDouai aufstellte. Als aber die Verbündeten, nach der Eroberung vonTour-nai, uachMons vorrückten, um dasselbe zu belagern und zu erobern, be-schloss Villars dieses zu verhindern und marschirte mit 81,000 Mannund 80 Geschützen gleichfalls nach Mons in der Absicht, unter denMauern der Stadt die Verbündeten anzugreifen. Als er jedoch erfuhr,dass sie an 117,000 Mann und 120 Geschütze hatten, nahm er beiMalplaquet eine starke Vertheidigungsstellung ein, indem er die Flankenseiner Armee durch die Waldungen von Sars und Blangies, die vonder Infanterie besetzt waren, und die Fronte der Armee durch Befesti-gungen und Verhaue deckte und die Reiterei in mehreren Linien hinterder Infanterie aufstellte. Nachdem Marlborough und Prinz Eugen vondem Marsche Villars' nach Mons Kunde erhalten, rückten sie ihm entgegenund griffen ihn bei Malplaquet an (12. September). Prinz Eugen stellte40 Bataillone in fünf Linien auf und griff mit ihnen, unterstützt vondem Feuer aus 75 Geschützen, den Wald von Blangies an, der vonden Truppen des linken Flügels der Franzosen besetzt war, verdrängtediese Truppen aus dem Walde und griff die Verhaue im Rücken an.Villars nahm 30 Bataillone Infanterie aus dem Centrum und drängteden Prinzen Eugen zurück, wurde aber zum Unglück schwer verwundetund übergab das Commando an Bouffiers. In Folge dessen, dass vonihm aus dem Centrum Truppen genommen waren, und in Folge desdarauf ausgeführten Angriffs bildete sich zwischen dem linken Flügelund dem Centrum der französischen Armee ein bedeutender Zwischen-raum. Der Prinz Eugen benutzte dies, dirigirte einen Theil seinerTruppen nach dieser Lücke hin, trennte den linken Flügel der fran-zösischen Armee gänzlich von ihrem Centrum und gab dadurch demKampfe eine entscheidende Wendung. Marlborough, der bis dahinohne Erfolg den rechten Flügel der französischen Armee angegriffenhatte, stellte seine Infanterie und hinter ihr seine Reiterei in mehreren