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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Peldzüge. 115

deten, die mit 120,000 Mann sich zwischen zwei französischen Armeenbefanden, dachten nicht im Geringsten daran, diese einzeln anzugreifen.Marlborough wollte in Frankreich eindringen, aber Prinz Eugen legteweniger Entschlossenheit an den Tag, indem er die Nothwendigkeit vor-stellte , zuerst irgend eine grosse Festung zu erobern, die der Armee alsgrosser Niederlagepunkt dienen könnte. In Folge dessen belagertendie Verbündeten nach vorhergegangenen grossen Vorbereitungen dieFestung Lille. Die Belagerung selbst bewerkstelligte Prinz Eugen miteinem Corps von 40,000 Mann, und Marlborough deckte dieselbe, in-dem er sich vor Tournai mit 70,000 Mann aufstellte. Inzwischen ge-lang es dem Herzoge von Bourgogne und Vendöme, ungehindert in Nieu-port sich mit Berwick zu vereinigen. Ihre vereinten Streitkräfte beliefensich somit auf 96,000 Mann mit 200 Geschützen; die zwischen dendrei französischen Feldherren entstandenen Misshclligkeitcn aber machtendiese Concentrirung der Streitkräfte ganz unnütz und waren die Ursache,dass die Franzosen sich auf Operationen gegen die Communicationen derVerbündeten mit Brüssel und mit dem wichtigen Hafen Ostende be-schränkten. Wie sehr sie sich auch durch Manöver und Führung deskleinen Krieges anstrengten, die Verbündeten zur Aufhebung der Be-lagerung Lille's zu zwingen, so musste diese Festung selbst, trotz allerAnstrengungen und tapferer Vertheidigung derselben durch den Mar-schall Bouffiers, sich doch den Verbündeten ergeben; die Citadelle derFestung aber hielt sich. Auf Befehl Ludwig's XIV. nahm die französi-sche Armee im November um Lille herum Position in der grossen Aus-dehnung von 50 Lieues. In dieser Aufstellung blieben beide Armeeneinen ganzen Monat inünthätigkeit. Endlich wurden 15,000 Mann fran-zösischer Truppen abgesandt, umBrüssel zu erobern; jedoch Marlboroughging mit 65,000 Mann bei Oudenaarde über die Scheide und vereiteltenicht nur diese Unternehmung der Franzosen, sondern es gelang ihmauch, die französische Armee zu trennen, von der einTheil nach Tournai,der andere nach Gent sich zurückzog. Von Neuem befanden sich dieStreitkräfte der Verbündeten concentrirt zwischen zwei französischenArmeen, und wiederum dachten sie nicht .daran, dieselben einzeln zubesiegen, sondern nach der Uebergabe der Citadelle von Lille bezogensie Winterquartiere. Die französischen Truppen, die sich in der Um-gegend von Gent und Brügge befanden, kehrten unbehindert nach Frank-reich zurück, obgleich sie von dort abgeschnitten waren. Die beider-seitigen Operationen in diesem Feldzuge sind wohl die allersonderbarstenim ganzen spanischen Erbfolgekriege, besonders in der Hinsicht, dassdie französische Armee, zweimal vom Feinde getheilt, darin gar keineGefahr sah, und die Verbündeten auch ihrerseits nicht daran dachten,

dies zu benutzen.

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