114 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des IS. Jahrhunderts.
Genappe und Braine l'Alleud und stellten sich gegenüber der linken PlankeMarlborough's auf. Der Letztere fürchtete für Löwen, wollte sich zugleichdein Prinzen Eugen, der über Koblenz aus Deutschland mit Verstär-kuugen kommen sollte, nähern und marschirte daher schnell nach Löwen.Darauf blieben beide Armeen einen ganzen Monat in Unthätigkeit, wäh-rend welcher französische Detachements Gent und Brügge und beinaheauch Oudenaarde eroberten. Diese Erfolge bei aller ihrer Unbedeu-tendheit versetzten die Holländer, die immer noch nicht den Sieg Ber-wick's bei Almansa (1707) vergessen konnten, in solche Unruhe, dassMarlborough, um sie nur vom Schlüsse eines Separatfriedens abzuhalten,sich entschloss, bei der ersten günstigen Gelegenheit, noch vor der An-kunft der Armee des Prinzen Eugen, einen Kampf aufzunehmen. Einesolche Gelegenheit bot sich bald. Die Franzosen stellten sich zur Deckungvon Gent und Brügge zwischen Oordcgcm und Aalst, auf halbem Wegezwischen Gent und Brüssel auf. Marlborough, der in Betreff der für dieVerbündeten, wichtigen Festungen Oudenaarde und Kortryk in Besorgnisswar, ging zu Lessines über den Fluss Dender, marschirte zur Scheideund begann unterhalb Oudenaarde über dieselbe zu setzen. Der Herzogvon Bourgogne eilte zuerst zum Dender-Flusse; als er aber vom MarscheMarlborough's zur Scheide erfuhr, marschirte er auch dorthin aus Furcht,von ihm umgangen zu werden, und begann bei Haveren, einige tausendSchritt weiter oberhalb als Marlborough, über die Scheide zu gehen, umdann nach Gent zu dessen Deckung zu marschiren. Vendöme entsandteauf das andere Ufer ein Corps von 3500 Mann und befahl, mit demselbenden Feind so lange zurückzuhalten, bis die ganze französische Armee dieBrücken passirt hätte, um dann mit der ganzen Streitmacht über denFeind während seines Ueberganges über den Fluss herzufallen. Solchein Operationsplan war sein - geschickt combinirt und wäre für die Fran-zosen wahrscheinlich von grossem Erfolg geworden; aber der Herzogvon Bourgogne, ein unentschlossener Charakter, der es nicht wagen wollte,sich in einen Kampf einzulassen, verlor unnütz viel Zeit und entschlosssich endlich — sich nach Gent zurückzuziehen. Es war aber schon zuspät: Marlborough hatte seinen Uebergang bewerkstelligt, die französi-sche Armee angegriffen, geschickt den Zwischenraum, der sich zwischendem linken Flügel und den übrigen Truppen derselben gebildet hatte,benutzt und sie gänzlich geschlagen. Dies war das Resultat der Schlachtbei Oudenaarde. Von etwa 80,000 Mann hatte die französische Armee13,000 Mann verloren; sie zog sich nach Gent zurück und nahm in derNähe der Stadt hinter den befestigten Linien und dem Brügge-Canal,mit dem Rücken nach dem Meere hin, Stellung. Zu derselben Zeit trafPrinz Engen mit 35,000 Mann aus Koblenz in Brüssel ein, anderer-seits Berwick mit 24,000 Mann vom Mittelrhein in Douai. Die Verbün-