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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 109

mit kaum der Hälfte seiner Armee (16,000 Mann) sich nach Valenciazurückzuziehen. Berwick liess einen Theil seiner Armee zur Belage-rung verschiedener Festungen im Gebiete von Valencia zurück, verfolgtemit dem andern Theile (23,000 Mann) den Feind, drängte ihn allmäligüber Tortosa hinter den Ebro nach Lerida zurück und eroberte Bequenaund Valencia. Gleichzeitig damit vereinigte sich der aus Frankreich mitVerstärkungen angekommene. Herzog von Orleans in Tudela mit den4000 Mann Franzosen, die dorthin marschirt waren, und zog demnachmit 19,000 Mann nach Saragossa. Berwick ging im Städtchen Caspe überden Ebro und vereinigte sich mit dem Herzoge von Orleans; ihre ver-einigten Truppen waren 32,000 Mann stark. Nachdem sie Mequinenzaerobert hatten, stellten sie sich am rechten Ufer des Flusses Segre auf;später gingen sie plötzlich auf das linke Ufer desselben über, zwangendie Engländer zum Rückzüge nach Catalonien und belagerten und erober-ten die Festung Lerida. Darauf bezogen die Armeen beider ParteienWinterquartiere.

In diesem Feldzuge hat der Erzherzog Karl, der an Truppen im Gan-zen nur gegen 45,000 Mann besass, ganz falscher Weise gegen 12,000 Mannin Festungen zerstreut und Galway nur 33,000 Mann zur Verfügunggelassen, die, von Berwick von ihrem Rückzugswege nach Barcelona ab-geschnitten, gezwungen waren, eine Schlacht anzunehmen, und beiAlmansa völlig geschlagen wurden. Hätte aber der Erzherzog Karl stattdessen alle seine Kräfte vereint auf den Zwischenraum zwischen Tudelaund Chinchilla, z. B. nach Albarracin gerichtet, so hätte er die Vereini-gung der französischen Armee mit ihren erwarteten Verstärkungenhindern und, die Uebermacht seiner Streitkräfte benutzend, die Fran-zosen in getrennten Theilen schlagen können. Ebenso, wenn Berwicknach dem Siege bei Almansa den Gegner sofort verfolgt und inzwischendie 19,000 Mann der französischen Verstärkung nach dem untern Ebrodirigirt hätte, so hätte die feindliche Armee umzingelt und zur Waffen-streckung gezwungen werden können.

Nach der Entfernung Berwick's aus Spanien gelang es dem Herzogevon Orleans, der den Oberbefehl über die französische Armee übernommenhatte, nicht, aus den imJahre 1707 errungenen Erfolgen Nutzen zu ziehen.In Catalonien hatte er gegen 40,000 Mann stehen, aber im Laufe vonzwei Jahren (17081709) beschränkte er sich einzig auf die Belagerungvon Festungen, so dass Starhemberg, der die feindliche, nur 20,000Mannstarke aber vereinte Armee befehligte, sich nicht nur hinter dem FlusseSegre in Catalonien hielt, sondern vielmehr ins Innere von Spanieneinzufallen drohte. Im Jahre 1710 wuchsen die Streitkräfte Starhem-berg's auf 26,000 Mann an, und ausserdem sammelte sich die verbün-dete portugiesische Armee bei der Festung Elvas in einer Stärke von