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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 105

mit denen LaFeuillade's vereint, beliefen sich auf ungefähr 60,000 Manu.Bei solch einer bedeutenden Ueberlegenheit der Streitkräfte konnten undmussten die Franzosen geradaus gegen den Prinzen Eugen und den Her-zog von Savoyen vorrücken, sich in einen Kampf einlassen und sie schla-gen. Dahin ging auch die Meinung fast aller französischen Generäle;aber Marsin zeigte eine ihm von Ludwig XIV. schriftlich gegebene In-struction vor, laut welcher der König ihn bevollmächtigte, nach seinemErmessen zu handeln, und erklärte demnach seine Absicht, den Feindin der Circumvallationslinie, die um Turin herum auf dem linken Poufererrichtet war, zu erwarten. Diese Linie war aber schon an und für sichschwach, und ausserdem schwach mit Truppen besetzt, besonders auf derzwischen den Flüssen Dora Baltea undStura sich ausdehnenden Strecke,wo sich kaum 8000 Mann befanden. Nachdem Prinz Eugen den obernPoüberschritten hatte, und die Circumvallationslinie der Franzosen von Sü-den und Westen umgangen war, griff er mit seinen concentrirten Kräften(30,000 Mann) die in achtColonnen getheilt waren, den schwächsten Theilder Linie zwischen den Flüssen Dora Baltea und Stura an. Die befes-tigte Linie wurde ohne Mühe durchbrochen und die sie vertheidigenden8000 Mann geworfen. Die ihnen von den nächsten Truppen gesandtenVerstärkungen wurden in einzelnen Abtheilungen geschlagen. Der Her-zog von Orleans forderte jetzt 12,000 Mann vom General Albergotti,welcher am rechten Poufer auf dem sogenannten Kapuzinerberge stand.Albergotti aber, durch die Bewegungen von 6000 Mann piemontesischerLandwehrleute, die sich bemühten, Turin mit Lebensmitteln zu versorgen,in Unruhe versetzt, wagte es nicht, sich zu schwächen. Die französischenTruppen, hinter ihre Linien zurückgeworfen, theilweise geschlagen, inder Fronte und in den Flanken vom Prinzen Eugen bedrängt, im Rückenaber von der 7000 Mann starken Garnison Turins, die einen Ausfallmachte, angegriffen, ihrer Obercommandeure, des Herzogs von Orleansund Marsin's (schwer verwundet) beraubt, geriethen in gänzliche Unord-nung, erlitten eine starke Niederlage und warfen sich, nach Verlust vonetwa 2000 Mann an Todten und 6000 Mann an Gefangenen, der ganzenArtillerie und Bagage, in Verwirrung nicht in das Gebiet von Mailand,wo sich noch die Truppen Medavi's und Garnisonen in der grossen An-zahl Festungen befanden, sondern nach den Alpen, und namentlich nachPinerolo, da ihre gerade Communication mit Frankreich, der Engpassvon Susa, ihnen durch den Prinzen Eugen abgeschnitten war.

Unterdessen war der Prinz von Hessen, der Castiglione belagerte,vom General Medavi angegriffen, geschlagen und gezwungen worden,sich hinter den Mincio zurückzuziehen. Wenn die bei Turin geschlagenefranzösische Armee ins Mailänder Gebiet geflohen wäre, so hätte derKrieg in Italien noch eine andere Wendung nehmen können. Als aber