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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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104 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

welcher den Fürsten von Anhalt mit 8000 Mann und ferner die 10,000Mann des eben erst zu ihm gestossenen Prinzen von Hessen, im Ganzen18,000 Mann, gegen die Franzosen in der Fronte an der Etsch gelassen,ging selbst bei Polesella über den untern Po und marschirte nach demFlüsschen Parmegiano. Der Herzog von Orleans zog sich hinter denMincio zurück, und nachdem er auf dem rechten Ufer desselben 30,000Mann zurückgelassen, ging er selbst mit 26,000 Mann auf das rechtePoufer über, wagte es aber nicht, mit dem Prinzen Eugen am Flüss-chen Parmegiano zu kämpfen.

Als er von den Offensivoperationen des Prinzen von Hessen am MincioKunde erhielt, ging er auf das linke Poufer zurück und gab auf dieseWeise dem Prinzen Eugen am rechten Poufer den Weg nach Piemontfrei. Am Mincio angelangt, fand er, dass der Prinz von Hessen das andiesem Flusse gelegene Goito und den dortigen Flussübergang schon er-obert Latte. Somit hatte er es nicht verstanden, weder den Prinzen Eugennoch den Prinzen von Hessen aufzuhalten. Prinz Eugen benutzte aberinzwischen seine Abwesenheit und eroberte Carpi, Reggio und Correggio,erreichte mittels eines schnellen Flankenmarsches nach links Parmaund ging von dort weiter nach Piacenza. Der Herzog von Orleans ent-sandte jetzt 7000 Mann nach Stradella am Po und folgte ihnen selbermit der Hauptmacht nach, nachdem er am Po 10,000 Mann unter demBefehle des Generals Medavi stehen gelassen hatte. Der bei Stradella vonden Apenninen und dem Po gebildete schmale Hohlweg, der auf demrechten Ufer dieses Flusses die Hauptverbindung des östlichen TheilesNord-Italiens mit West-Italien ausmacht und so zu sagen den Schlüsselvon Piemont bildet, war höchst wichtig, durch seine Oertlichkeit miteiner kleinen Anzahl Truppen gegen eine grosse Uebermacht erfolgreichzu vertheidigen, so dass Prinz Eugen sich in einer sehr schwierigen undgefährlichen Lage befunden hätte, wenn die Franzosen ihm bei Stra-della zuvorgekommen wären. Aber das Glück war ihm in diesem Feld-zuge besonders günstig. Er kam früher als die Franzosen in Stradellaan, beliess dort einen Theil der Truppen, setzte mit den übrigen seinenMarsch fort, ging, ohne die Festungen Alessandria und Tortona, die mitfranzösischen Truppen besetzt waren, zu belagern oder zu blokiren,zwischen ihnen durch und vereinigte sich ungehindert am obern Po inVillastellone mit dem Herzoge von Savoyen, der zu diesem Zwecke dort-hin aus dem Lusernathal gekommen war. Ihre vereinten Streitkräfte be-liefen sich auf circa 36,000 Mann. Der Herzog von Orleans, dem'esnicht gelungen war, dem Prinzen Eugen in Stradella zuvorzukommenund dadurch dessen Marsch nach Piemont zu verhindern, beeilte sich,ihm wenigstens bei Turin zuvorzukommen, was ihm auch glückte, indemer dorthin das linke Poufer aufwärts marschirt war. Seine Streitkräfte,