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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. I 08

keit verharrte (bei Gavardo einen Monat und bei Treviglio zwei Monate),während der Herzog von Savoyen sich in der äussersten Noth befand.Nur ein Zug in seinen Operationen während dieses Feldzuges ist beson-ders bemerkenswerth, nämlich, dass er auch in diesem Jahre, wie in denvorhergehenden, in der Erhaltung seiner Communicationen mit Deutsch-land sich keinen Zwang auferlegte und dieselben leicht aufgab.

§. 44.Der Feldzug des Prinzen Engen von Savoyen in Italien im Jahre 1706.

Im Frühjahre 1706 führte Vendome, in der Absicht, die kaiserlichenTruppen, die während der Abwesenheit des Prinzen Eugen vom GrafenReventlow befehligt wurden, ganz aus Italien zu verdrängen, einen plötz-lichen Ueberfall gegen ihre Winterquartiere auf der Westseite des Garda-sees aus , schlug einen Theil der Truppen bei Cälcinato und zwang sie,in Unordnung mit einem Verluste von gegen 3000 Mann ins Trienter Ge-biet zu fliehen. Prinz Eugen, der zu derselben Zeit nach lloveredo ge-kommen war, sammelte seine versprengte und in Unordnung gebrachteArmee und marschirte sofort nach Salo und Gavardo zurück. Aber dieFranzosen hatten schon die Gegend zu beiden Seiten des Gardasees be-setzt , und dem Prinzen Eugen blieb nichts Anderes übrig als der Rück-zug nach der Etsch. Zu seinem Glück hatten die Franzosen aus Fahr-lässigkeit den Uebergang über die obere Etsch bei Chiusa nicht besetzt;sonst hätte er nicht das Etschthal hinunter marschiren können. Nach-dem er diesen Fluss abwärts marschirt, stellte er sich längs dem linkenUfer desselben auf, und Vendöme, nachdem er mit 30,000 Mann dieBergpässe auf der Westseite des Gardasees besetzt hatte, nahm mit26.000 Mann Stellung gegen den Prinzen Eugen auf der rechten Seiteder Etsch. In dieser Position blieben beide Armeen mehr als einen hal-ben Monat in Unthätigkeit. Inzwischen hatte La Feuillade mit 42,000Mann noch im Monat Mai Turin belagert. Der Herzog von Savoyen rettetesich in das Lusernathal (in den Cottischen Alpen) und rief aus Verzweif-lung den Prinzen Eugen zu Hülfe, welcher sich in Folge dessen endlichcntschloss, nach Piemont zu gehen. Den Fürsten von Anhalt Hess ermit 8000 Mann bei Verona zurück, um die Franzosen an der Etsch auf-zuhalten, marschirte selbst mit den übrigen 30,000 Mann das linkeEtschufer abwärts und ging bei Badia, unterhalb Castelbaldo, auf dierechte Seite des Flusses über.

Zu dieser Zeit war sein geschickter Gegner Vendome nach Flandernabberufen, und statt seiner war mit dem Oberbefehl über die französischeArmee in Italien der Herzog von Orleans und unter ihm der MarschallMarsin betraut. Diese unzeitige und verfehlte Aenderung hatte für dieFranzosen in Italien die allerschlimmsten Folgen. Der Prinz Eugen,