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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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102 IL Die Kriege am Ende dos 17. und am Anfange des IS. Jahrhunderts.

die nur dadurch für den Herzog von Savoyeu nützlich waren, dass Ven-döme, nachdem er einen Theil der Truppen La Feuillade's den seinigeneinverleibt hatte, gezwungen war, die Belagerung Turin's auf das nächsteJahr zu verschieben.

Bei der Prüfung des Feldzuges vom Jahre 1705 in Italien muss manbemerken, dass sowohl Vendönie als Prinz Eugen nach jener der da-maligen Zeit eigenen Sucht zum Manövriren, einzig und allein ihreZiele durch dieses Mittel zu erreichen strebten und dadurch den Feld-zug nur unnütz in die Länge zogen, während sie durch energischeOperationen und Kämpfe bedeutend schneller ihren Zweck hätten er-reichen können. Von den 77,000 Mann französischer Truppen, die sichin Italien befanden, hätte Vendönie jedenfalls 50,000 Mann im Feldeverwenden und mit diesen überlegenen Streitkräften die Armee des Prin-zen Eugen nicht nur schlagen, sondern völlig aufreiben und dann, sichgegen den Herzog von Savoyen wendend, ohne Mühe auch diesen be-siegen können. Dann würde Turin sich von selbst ergeben haben und eswäre nicht nöthig gewesen, auf die Belagerung der Stadt viel Zeit, Mühe,Truppen und Geld zu verwenden. Vendörne aber zerstückelte sein77,000 Mann starkes Heer in einzelne Detachements im Felde, sowiezur Besetzung und Belagerung von Festungen, so dass er an der Addaschwächer als der Prinz Eugen war. Er beschränkte sich nicht einmaldarauf, sondern theilte noch sein 22,000 Mann starkes Corps in zweiTheile, deren einer von dem andern durch den Fluss Adda getrennt war,jeder einzelne Theil bedeutend schwächer als die feindliche Armee. Einesolche falsche Zerstückelung derStreitkräfte und die daraus folgende Un-möglichkeit , durch Kampf den Gegner zu vernichten, machte Vendörnewenigstens einigermassen durch die Schnelligkeit und Entschlossenheitseiner Bewegungen und Operationen und durch seine Manövrirkunstwieder gut. Prinz Eugen hingegen, wenngleich er seine Streitkräfteimmer concentrirt hielt und folglich, bei der Zerstückelung der Kräfteseitens Vendöme's, immer stärker als Letzterer war, verstand dies garnicht zu benutzen, zog das Manövriren dem Kampfe vor, operirte seiner-seits mit ausserordentlicher Langsamkeit und Unentschlossenheit, und da-her kam ihm Vendörne in Allem und überall zuvor. Sonderbar und unbe-greiflich scheint es erstens, dass er zu seinem Einmarsch in Italien nichtden kürzern Weg, durch die Thäler des Inn und der Adda, den schonsieben Jahre vorher die kaiserlichen Truppen aus dem Veltlin nach Italienpassirt hatten, wählte, sondern den weiteren und gefährlicheren Wegüber das Trienter Gebiet durch das Etschthal und zu beiden Seiten desGardasees vorzog; zweitens, dass er. nachdem Soncino von ihm genommen,nicht gleich über die Adda ging, sondern in der Position bei Romanengoblieb, und endlich drittens, dass er so lauge Zeit in gänzlicher Unthätig-