4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feklzilge. 101
Uebergang auf das rechte Ufer des Flusses verlegt hatte, marschirtePrinz Eugen nach Cassano zurück. Zu derselben Zeit zog sich der BruderVendöme's auf Befehl des Letztern nach Bivolta am linken Addaufer un-terhalb Cassano zurück, und in der Cassanoschen Brückenschanze befandsich nur noch seine Arrieregarde. Prinz Eugen griff sofort die Brücken-schanze an, aber Vendome gelang es, in schnellem Marsche von derobern Adda rechtzeitig nach Cassano zu kommen, und obgleich PrinzEugen fast drei Mal mehr Truppen hatte, schlug er ihn zurück und zwangihn, mit grossem Verlust sich nach Treviglio zurückzuziehen. Der blu-tige Kampf bei Cassano (in welchem Prinz Eugen selbst verwundetwurde) hätte zu noch grösserer, ja selbst völliger Niederlage der kaiser-lichen Truppen führen können, wenn der Bruder Vendöme's von Rivoltaaus ihnen in den Rücken gefallen wäre; aber er wagte es nicht, und da-für wurde ihm das Commando genommen.
Nach dem Kampfe bei Cassano blieben beide Armeen im Laufe vonzwei Monaten zwischen den Flüssen Adda und Oglio einander gegenüberin Unthätigkeit stehen. Prinz Eugen erwartete Verstärkungen aus Tirol,während Vendome ihn beobachtete. Endlich im October unternahm PrinzEugen einen Flankenmarsch nach dem untern Serio, um durch Umgehungdes rechten Flügels Vendöme's nach Piemont durchzubrechen, odervielleicht nur, um vorteilhaftere Winterquartiere im Gebiete von Cre-mona einzunehmen. Er marschirte aber so langsam, dass Vendömeüber Lodi und Pizzighettone ihm am unteren Serio zuvorzukommen undam Uebergange über den Fluss mit einem bedeutenden Verluste fürdie kaiserlichen Truppen zu hindern vermochte. Darauf marschirtenbeide Armeen an beiden Ufern des Flusses Serio stromaufwärts. DemPrinzen Eugen gelang es endlich, unbemerkt diesen Fluss zu überschrei-ten. Er nahm Position bei Fontanella, Vendöme stellte sich ihm gegen-über auf und nahm Soncino. Ende October ging Prinz Eugen über denFluss Oglio und marschirte nach Castiglione, wahrscheinlich um ge-eignetere Winterquartiere im Mantuanischen Gebiete zu beziehen. AberVendöme kam ihm auf den Höhen zwischen Lonato und Castiglionewieder zuvor und zwang ihn, Winterquartiere auf dem westlichen Uferdes Gardasees zu beziehen.
Auf diese Art vereitelte Vendöme durch Schnelligkeit und Entschlos-senheit seiner Bewegungen und Operationen und durch geschicktes Ma-növrireu alle Versuche des Prinzen Eugen, nach Piemont durchzudringenund auf diese Weise das ihm in diesem Feldzuge gesteckte Ziel zu er-reichen.
Die Operationen Vendöme's stehen unvergleichlich höher als dieOperationen des Prinzen Eugen, in denen weder Schnelligkeit nochEntschlossenheit, noch besondere Geschicklichkeit zu sehen sind, und