] 00 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
umgehen. Nachdem er sein Heer auf dem westlichen Ufer des Seesconcentrirt hatte, stellte er sich in einer starken Position zwischen Salound Gavardo auf. Vendome nahm mit seiner Hauptmacht Stellung gegenihn in einer befestigten Position, drängte ihn zwischen die Berge und denSee zurück, übergab den Oberbefehl seinem Bruder und begab sich nachPiemont, wo er bald darauf die letzten Festungen: Nizza, Villafranca undChivasso eroberte, den Herzog von Savoyen zum Bückzug nach Turinzwang und ihn in die äusserste Noith versetzte. Dessen ungeachtetblieb Prinz Eugen in Erwartung von Verstärkungen aus Tirol und einesgünstigen Moments zum Operiren einen ganzen Monat in seiner Po-sition zwischen Salo und Gavardo. Die verzweifelte Lage des Herzogsvon Savoyen veranlasste ihn jedoch, nach Piemont zu gehen. SeineCommunicationen mit Tirol aufgebend, führte er in der Nacht durch dasOfferto-Thal einen Flankenmarsch nach Brescia aus, kam dem BruderVendöme's um einen Tagemarsch zuvor und ging bei Calcio über denOglio. Der Bruder Vendöme's, der ihm von der Seite folgte, wagte esnicht, ihn auf dem Marsche anzugreifen, ging selbst über den Oglio beiPontevico und stellte sich gegen ihn in der Fronte zwischen Crema undLodi auf. Prinz Eugen nahm zwar Soncino, ging aber nicht weiter biszum Flusse Adda, sondern blieb in der Position bei Komanengo stehen.Zu dieser Zeit langte Vendome zur Unterstützung seines Bruders an undstellte sich bei Casal - Moraro sehr nahe dem Prinzen Eugen auf. BeideFeldherren begannen zu manövriren, Prinz Eugen, um nach Piemontdurchzukommen, und Vendome, um ihn daran zu hindern. Prinz Eugenhätte sein Ziel viel schneller durch eine Schlacht erreichen können, na-mentlich wenn er geradezu auf Vendöme, der in der geradesten und kür-zesten Richtung nach Piemont Stellung genommen, losmarschirt wäre undihn im Kampfe zu schlagen sich bemüht hätte ; er konnte auf Erfolg imKampfe hoffen, weil er stärker als Vendöme war (Letzterer hatte 22,000Mann, Prinz Eugen dagegen mehr als 30,000 Mann). Aber Prinz Eugenzog es vor, sein Ziel durch List und Manöver zu erreichen. Zuvörderstging er unbemerkt und schnell nach Paradiso an der oberen Adda,um, wenn er Vendöme dahin gelockt, sich einen freien Weg nach Piemontzu eröffnen. Allein Vendöme, der den Prinzen Eugen und seine Leiden-schaft für Kriegslisten sehr wohl kannte, liess sich nicht täuschen. In-dem er bei Lodi mit 9000 Mann auf das rechte Ufer der Adda überging,marschirte er schnell den Fluss aufwärts, liess jedoch seinen Brudermit 13,000 Mann auf dem linken Ufer der Adda in der Nähe vonCassano, wo über die Adda eine Brücke führte, die vom linken Uferdurch einen stark befestigten Brückenkopf und den Bitorto-Canal gedecktwurde. Als Vendöme an der obern Adda angelangt war und durch seineAufstellung gegen den Prinzen Eugen diesem durch Erdaufwürfe den