4. Die bemerkenswertheston Kriege und Feldzüge. 97
Reiterei des rechten Flügels Marsin's, und folglich befand sich diegrössteZahl der französischen Reiterei im Centruin der ganzen Armee. Ausser-dem bildete an dieser Stelle in der Nähe des Dorfes Ober-Klau (jetztOber-Glauheim) die Schlachtlinie der Franzosen einen nach dev Seitedes Feindes hin vorspringenden Winkel. Vor der Fronte derselben flossin einer niedrigen, feuchten Vertiefung der Nebelbach vorbei; aber dieFranzosen waren zu weit von demselben aufgestellt. Der rechte FlügelTallard's stiess an die Donau und jdas in der Nähe derselben liegendeDorf Blenheim (jetzt Blindheim), welches Tallard mit 27 BataillonenInfanterie und 12 Escadronen Dragoner, im Ganzen mit 14,700 Mannbesetzt hatte. Marsin anderseits hatte mit einem Theil seiner Infanteriedie vor seiner Front liegenden Dörfer Ober-Klau und Lützingen besetzt.Somit war die Aufstellung der Franzosen bei Höchstädt, als nicht imGeringsten der Oertlichkeit entsprechend, in jeder Hinsicht im Allge-meinen falsch. Nachdem sich Marlborough bei seiner Recognoscirunghiervon UberzQugt hatte, gründete er darauf seinen Angriffsplan. Um dasCentrum der Franzosen bequemer durchbrechen, zugleich aber auch seineAbsicht besser verbergen zu können, beauftragte er den Prinzen Eugen,mit dem rechten Flügel der verbündeten Armee zuerst einen Scheinangriffgegen den linken Flügel der Franzosen d. h. gegen Marsin zu machen.Der Angriff wurde zurückgeschlagen, aber während derselbe ausgeführtwurde, stellte sich die englisch-holländische Infanterie in einigen Linienhinter dem Nebelbach unbehindert auf, griff die Dörfer Blenheim undOber-Klau an, und unter der Deckung dieser Angriffe, die freilich vonden Franzosen mit grossem Verluste für die Verbündeten zurückgeschla-gen wurden, stellte sie einen Uebergang über den Nebelbach für dieReiterei her. Letztere ging über den Bach und griff die im Centrum auf-gestellte französische Reiterei an, und wenn sie auch einige Male vonderselben geworfen wurde, so lenkte sie doch die feindliche Reiterei jedesMal auf ihre Infanterie, welche durch heftige, wohlgezielte Gewehrsalvenalle Angriffe der feindlichen Reiterei zurückwies, dieselbe in Unordnungbrachte und, im Verein mit der verbündeten Reiterei, sowohl der Rei-terei des Feindes als den neun Bataillonen Infanterie, die im Centrumbei Tallard geblieben waren, grosse Verluste und schliesslich eine gänz-liche Niederlage beibrachte; auf diese Weise war das Centrum der fran-zösischen Armee durchbrochen, und die Truppen, die dasselbe bildeten,theils vernichtet, theils gefangen genommen, theils aber bis nach Höch-städt verfolgt. Marlborough umzingelte 14,700 Mann französischer Trup-pen, die ganz nutzlos in Blenheim geblieben waren, zwang sie nach -hartnäckiger Vertheidigung, die Waffen zu strecken, und wandte sichgegen den rechten Flügel Marsin'-s, den Prinz Eugen unterdessen zumzweiten Male und mit Erfolg in der Fronte und in der linken Flanke
Galitzin, Allgein. Kriegsgeschichte. III, 2. t