96 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
Marsin bei Augsburg anzugreifen, und begannen, um sie von dort weg-zulocken, Baiern zu verwüsten.
Unterdessen ging Tallard, der von Ludwig XIV. den Befehl erhaltenhatte, mit ausgewählten Truppen vom Rhein nach Baiern dem Kur-fürsten und Marsin zu Hülfe zu eilen, mit 26,000 Mann bei Strass-burg über den Rhein und marschirte durchs Donauthal nach Augsburg;Villeroi und Coigny mit 34,000 Mann blieben auf beiden Rheinuferngegen die Stollhoffener Linien. Prinz Eugen seinerseits liess in den-selben 21,000 Mann stehen und versuchte selbst mit 16,000 Manndie Vereinigung Tallard's und Marsin's zu verhindern, hatte aber darinkeinen Erfolg. Tallard kam ihm zuvor und vereinigte sich unbehindertbei Augsburg mit dem Kurfürsten von Baiern und Marsin. Ihre ver-einten Streitkräfte waren 57,000 Mann stark. Prinz Eugen aber stelltesich bei Dillingen auf. In dieser Zeit wünschte Marlborough, in Folgeentstandener Uneinigkeit zwischen ihm und dem Prinzen von Baden,sich unter irgend einem scheinbar gerechtfertigten Vorwande von derNebenbuhlerschaft des Letztern zu befreien, und trug ihm auf, mit 15,000Mann die übrigens nicht nothwendige Belagerung von Ingolstadt zu be-werkstelligen , während er sich selbst zwischen Augsburg und Ingolstadtaufgestellt hatte.
Um die Verbündeten zu zwingen, Baiern zu räumen und auf daslinke Donauufer überzugehen, griffen der Kurfürst von Baiern, Marsinund Tallard zu einem sonderbaren Mittel. Sie gingen nämlich selbstauf das linke Donauufer über und marschirten auf demselben die Donauabwärts nach Höchstädt. Wären sie jedoch in ihrer starken Position beiAugsburg geblieben, so hätten sie die Verbündeten in Unthätigkeit er-halten oder gezwungen , wenn sie Baiern erobern wollten, die FestungenBaierns zu belagern.
Uebrigens hatten sie sich nicht in ibren Voraussetzungen geirrt:Marlborough vereinigte sich am untern Lech mit dem Prinzen Eugen, dersich vor der französisch-bairischen Armee zurückzog, und nachdem ermit ihm bei Donauwörth auf das linke Donauufer übergegangen, mar-schirte er ebenfalls nach Höchstädt. Hier stiessen beide Armeen, jedegegen 63,000 Mann stark, zusammen und begannen zu kämpfen — fastzufällig. Marsin und Tallard, in der Voraussetzung, dass die Verbündetennach Nördlingen gehen würden, erwarteten keineswegs eine Schlachtund stellten sich bei Höchstädt nicht in Schlachtordnung, sondern inMarschordnung, wie sie vorrückten, auf. Da nun Marsin und Tallard un-abhängig von einander ihre Truppen befehligten. ihre Truppen gewöhn-lich auch eine besondere Aufstellung beibehielten, so bildete der Heeres-theil Tallard's jetzt den rechten und das Corps Marsin's den linkenFlügel der Armee, die Reiterei des linken Flügels Tallard's stiess an die