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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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98 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

angegriffen hatte. Auf diese Weise in der Fronte und auf beidenFlügeln gedrängt, beeilte sich Marsin zurückzuweichen. Die franzö-sische Armee erlitt eine gänzliche Niederlage und verlor von 63,000 Mannan T.odten und Verwundeten etwa 15,000 Mann, an Gefangenen etwa15,000 Mann, im Ganzen gegen 30,000 Mann und ausserdem 35 Ge-schütze, den grössten Theil der Bagage u. s. w. Die Verbündeten,deren Verlust sich auf 11,000 Mann belief, hatten den erlangten entschei-denden und glänzenden Sieg den groben Fehlern der französischen Ge-neräle , die Marlborough geschickt und glücklich zu benutzen verstand,zu verdanken. Die Niederlage der Franzosen hätte aber noch entschei-dender sein können, 1) wenn Marlborough, als er das Centrum der fran-zösischen Armee durchbrochen hatte, einen Theil seiner Truppen zurBlokade Blenheims und zur Zurückhaltung der dort befindlichen Truppengelassen hätte und mit allen Streitkräften Marsin in den Rücken undin die rechte Flanke zu der Zeit, als Prinz Eugen ihn in der Fronte undlinken Flanke bedrängte, gefallen wäre, und 2) wenn die Verbündetendie geschlagene französische Armee verfolgt hätten. Aber sie dachtennicht im Mindesten daran, sondern blieben fünf Tage auf dem Schlacht-felde. Marsin mit dem Ueberbleibsel seiner Truppen (33,000 Mann) undder Kurfürst von Baiern flüchteten durch das Donauthal zum Rhein, densie bei Strassburg überschritten, vereinigten sich mit den 20,000 MannVilleroi's und den 10,000 Mann Coigny's und hatten somit wieder eineArmee von 60,000 Mann.

Der Sieg bei Höchstädt hatte sehr wichtige Folgen und gab demKriege in Deutschland eine entscheidende Wendung. Die Verbündetenmarschirten nach Philippsburg, nahmen Ulm, gingen mit 65,000 Mannüber den Rhein, eroberten Trarbach und belagerten Landau. Obwohldie Franzosen am Mittelrhein mit den Verbündeten fast gleiche Streit-kräfte hatten, so hatte doch die Niederlage bei Höchstädt auf sie einenso starken moralischen Eindruck ausgeübt, dass sie nicht mehr wagten,einen Kampf aufzunehmen, sondern, vor den Verbündeten zurückwei-chend, Hessen sie Landau und Trier vom Feinde erobern. Erst mitBeginn des Winters, als beide Armeen dem Brauche nach Winterquar-tiere bezogen, wurde den Erfolgen der Verbündeten ein Ende gemacht.Im November gingen, gemäss dem von den Verbündeten mit der Ge-mahlin des Kurfürsten von Baiern geschlossenen Friedenstractate, dieBesitzungen und alle Festungen des Kurfürsten an die Verbündetenüber, und die bairischen Truppen wurden entlassen.

Der Feldzug des Jahres 1704 diente als sichtbare Widerlegung dereingewurzelten falschen Begriffe über die Unwichtigkeit des Kampfesund über die Wichtigkeit der Festungen, befestigten Linien und des Ma-növrirens. Das ungewöhnliche, im Vergleiche mit den übrigen Feldzügen