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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feklzüge. 95

sehr laugsam nach Koblenz vorrückte, in die Flanke zn fallen und gegenihn zu operiren, blieben statt dessen Villeroi, Coigny und Tallard in Un-thätigkeit bei Landau und Hessen auf diese Weise Marlborough un-behindert über den Bhein bis Ladenburg ziehen, von wo aus er seinenMarsch über Heilbronn nach Ulm ungefährdet fortsetzte. Hier vereinigteer sich mit den 32,000 Mann des Prinzen von Baden; ihre vereintenStreitkräfte beliefen sich jetzt auf 62.000 Mann mit 48 Geschützen.37,000 Mann kaiserlicher und verbündeter deutscher Truppen unter demBefehle des Prinzen Eugen von Savoyen waren in den StollenhoffenerLinien geblieben, um Villeroi, Coigny und Tallard aufzuhalten. La die-ser Zeit vereinigte sich Marsin auch mit dem Kurfürsten von Baiern;ihre vereinten Streitkräfte beliefen sich auf ungefähr 63,000 Mannmit 130 Geschützen, die, um Marlborough und den Prinzen von Badenmit grösserem Erfolg vom Uebergang über die Donau und dem Marschenach Baiern abhalten zu können, im befestigten Lager zwischen Lau-ingen und Dillingen auf dem linken Donauufer, mit dem Bücken nachdem Flusse hin, aufgestellt waren.

Marlborough und der Prinz von Baden, in der Absicht in Baierneinzudringen, gingen nicht dort über die Donau, wo sie sich schon be-fanden, d. h. in Ulm oder in der Nähe der Stadt, sondern marschirtenzuerst zum Flusse Brenz und dann, vermittels eines Flankenmarschesim Angesicht des Lagers bei Lauingen, nach Donauwörth. Marsin undder Kurfürst von Baiern wagten es nicht, sie während dieses Marschesanzugreifen, blieben in ihrem Lager und Hessen sie unbehindert fast aufSchussweite auf schlechten Wegen passiren. Als sich aber der Kurfürstvon Baiern überzeugt hatte, dass sie nach Donauwörth gingen, rückteer ihnen nach. Sich dem Schellenbergschen Lager nähernd, das amlinken Donauufer Donauwörth und die Brücke über diesen Fluss deckte,griff Marlborough in der Fronte an, aber ohne Erfolg, bis der später an-gelangte Prinz von Baden die Schanzen, die das Lager mit der Stadtverbanden und von den Baiern schwach besetzt waren, angriff. DieErstürmung des Schellenbergschen Lagers, bei welcher Marlboroughund der Prinz von Baden gegen 6000 Mann verloren , der Kurfürst vonBaiern aber insgesammt nur 1600 Mann, hatte auf letztern einen so star-ken moralischen Eindruck ausgeübt, dass er, Alles für verloren erach-tend, in Eile Donauwörth räumte, wo er sich noch mit Erfolg hättevertheidigen können. Darauf vertheilte er fast alle seine Truppen indie Festungen Baierns, behielt bei sich nur die französischen TruppenMarsin s und 5000 Mann eigener Truppen und stellte sich in einer star-ken Position bei Augsburg auf. Die Verbündeten, die bei Donauwörthüber die Donau gegangen waren, wagten nicht. den Kurfürsten und