94 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 16. Jahrhunderts.
nachdem Ludwig XIV. eines für ihn wichtigen Bundesgenossen in Deutsch-land in der Person des Kurfürsten von Baiern beraubt wäre, den Kriegan die Grenzen Frankreichs, ja sogar nach Frankreich selbst zu verlegen.
In Folge dessen beabsichtigte Ludwig XIY.; in Baiern die ArmeenMarsin's und Tallard's, welche, an 50,000Mann stark, zusammen mit dem45,000 Mann starken Heere des Kurfürsten von Baiern 95,000 Mann aus-gemacht hätten, zu concentriren. Diese Macht hätte dem Kriege in Deutsch-land eine entscheidendeWendung zu Gunsten der Franzosen geben können.Tallard aber, der aus Hoffart separat zu operiren wünschte, stellte demKönig so viele Hindernisse in dieser Hinsicht vor, dass der Letztere vonseinem Vorhaben abstand und sich darauf beschränkte, Marsin, dersich bei Augsburg befand, zu befehlen, durch einen Marsch nach denQuellflüssen der Donau sich dem Rheine zu nähern, aus der Armee Tal-lard's 10,000 Mann Rekruten zu nehmen und dann zusammen mit denTruppen des Kurfürsten von Baiern in Deutschland offensiv zu operiren.
In Folge dessen unternahm Tallard noch vor Eröffnung der Feind-seligkeiten gegen die Stollhoffener Linien scheinbare Offensivoperatio-nen , er ermöglichte den Uebergang über die Berge des Schwarzwaldesund kehrte an den Rhein zurück, nachdem er Marsin in Villingendie Rekruten übergeben hatte. Wenn die kaiserlichen Generäle alle ihreKräfte, die am Mittelrhein und in der Nähe desselben standen, zusammen42,000 Mann, concentrirt hätten, so hätten sie, entschieden operirend,die Armeen Tallard's und Marsin's einzeln schlagen können. Der Prinzvon Baden concentrirte in der Tkat bei Rottweil gegen 35,000 Mann undversuchte Marsin von Baiern abzuschneiden, operirte aber sehr langsamund unentschlossen, und. anstatt aus Rottweil gerade auf Tuttlingen losMarsin in die Flanke und den Rücken zu fallen, marschirte er nachVillingen und öffnete dadurch Marsin den Weg nach Baiern, konnte ihmso auch nur im Rücken folgen und stellte sich bei Munderkirchen ander Donau auf, als Marsin bei Ulm Stellung nahm.
Unterdessen erhielt Marlborough den Befehl, aus den Niederlandennach Deutschland aufzubrechen. Er nahm nur 16,000 Mann mit sichund marschirte das linke Rheinufer aufwärts, vereinigte auf dem Marscheverschiedene Garnisonen mit seinen Truppen, setzte bei Koblenz auf dasrechte Rheinufer, bereits auf 30,000 Mann verstärkt, über und ging nachLadenburg am Neckar, in der Nähe der Mündung dieses Flusses in denRhein. Sein Marsch brachte die Franzosen in Aufregung, die, für ihreFestungen im nördlichen Elsass, besonders für Landau, fürchteten und inder Nähe der letzteren aus den Niederlanden, von der Mosel und vomMittelrhein die Truppen Villeroi's, Coiguy's und Tallard's, im Ganzengegen 58,000 Mann eoncentrirten. Obgleich sie die Gelegenheit undMöglichkeit hatten, mit überlegenen -Streitkräften Marlborough. der