4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 93
Vendöme's benutzt, sich vom Bunde mit Ludwig XIV. losgesagt undwar auf die Seite des Kaisers übergegangen. Dieser Umstand bewogVendome nach Italien zurückzukehren, ohne den Zweck seines Marschesnach Trient erreicht zu haben, eben so wie der Kurfürst von Baiern nachMünchen zurückgekehrt war, ohne den Zweck seines Marsches nach Tirolerreicht zu haben. Nach Italien zurückgekehrt, verstand es Vendomewieder nicht seine Lage zu schätzen. Seine überlegenen Streitkräfte undseine Aufstellung zwischen Starhemberg und dem Herzoge von Savoyenboten ihm die Möglichkeit, einzeln zuerst den Ersteren und dann denLetzteren zu schlagen. Statt dessen Hess er seinen Bruder mit seinerHauptmacht gegen Starhemberg, um denselben aufzuhalten, und rnar-schirte selbst mit nur 17,'000 Mann nach Piemont, und ohne dort Etwasausgerichtet zu haben, bezog er Winterquartiere um Asti herum.
Starhemberg schien darauf nur gewartet zu haben, um einen Marschnach Piemont behufs seiner Vereinigung mit dem Herzoge von Savoyenzu unternehmen. Ueberzeugt, dass er in Piemont alles Nöthige für seineArmee und zur weiteren Kriegführung vorfinden würde, trug er keinBedenken, seine Magazine in Mirandola und seine Communicationen mitTirol und Oesterreich zu opfern; es gelang ihm, den Bruder Vendöme's zutäuschen, ihm zuvorzukommen, und von ihm in der Flanke und im Bückenverfolgt, rückte er schnell am linken Po-Ufer nach Piemont vor und ver-einigte sich glücklich mit dem Herzoge von Savoyen in Nizza della Paglia.
Somit zeichnen sich in diesem Jahre die Operationen Starhemberg'sin Italien, besonders aber sein Vormarsch nach Piemont, durch Kühnheit,Entschlossenheit und Geschicklichkeit aus, sie sind in jener Zeit einesehr bemerkenswerthe Erscheinung und stehen höher als die OperationenVendöme's, der, wenngleich ein geschickter Feldherr, unbegreiflicherWeise die Vortheile seiner Lage den falschen Kriegsbegriffen und Vor-urtheilen seiner Zeit, wie der herrschenden Manöversucht zum Opferbrachte.
§.42.Der Feldzug in Deutsehland im Jahre 1704.Die besondere Wichtigkeit Baierns für beide kriegführende Parteienbewog sie, im Jahre 1704 dort den grössten Theil ihrer Streitkräfte zuconcentriren und in den übrigen Gegenden sich auf Defensivoperationenzu beschränken. Für die Franzosen war Baiern deshalb wichtig, weilsie in diesem mit ihnen verbündeten und an Oesterreich grenzenden Landeden Krieg ausserhalb ihrer eigenen Grenzen führten, sowie auch des-halb, weil sie von dort aus näher und bequemer gegen die Erblande desKaisers operiren konnten. Für den Kaiser und seine Verbündeten aberwar es aus denselben Gründen vortheilhaft, Baiern zu besetzen und,