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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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92 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

Umständen für die kaiserliche und unter günstigen Umständen für diefranzösische Armee, endete aber mit Erfolg für die erstere in Folge ge-schickter Operationen des Oberbefehlshabers der kaiserlichen Armee,des Feldmarschalls Starhemberg und der fehlerhaften Operationen Ven-döme's.

Die kaiserliche Armee (20,000 Mann), die, bedeutend schwächer alsdie französische (an 62,000 Mann), auf der rechten Seite des untern Pohinter dem Flusse Secchia aufgestellt und in die engen Grenzen des klei-nen Gebiets von Mirandola eingeschlossen war, hatte freie Communi-cation mit Tirol und Oesterreich nur über Ostiglia am Po, Castelbaldo ander Etsch und Trient und konnte sich daher kaum in Italien halten.Vendome, der Starhemberg so bedeutend an Streitkräften und in andererHinsicht überlegen war, hätte nur, um ihn aus Italien zu verdrängen, mitseiner vereinten oder wenigstens seiner Hauptmacht gegen ihn vorzu-rücken und nach Möglichkeit entschiedener behufs eines Kampfes zu ope-riren brauchen. Aber Vendöme zog es vor, das genannte Ziel durchManöver zu erreichen. Er theilte seine Streitkräfte in zwei Theile; mitdem einen (27,000 Mann) marschirte er selbst Ende Mai am linkenPo-Ufer nach Ostiglia, und mit dem andern Theile (20,000 Mann)schickte er seinen Bruder, den Grossprior, das rechte Po-Ufer entlangzum Flusse Secchia. Starhemberg concentrirte seine Truppen in Ostiglia.deckte sorgfältig die Brücke an diesem Orte und erwartete die Annähe-rung der Franzosen. Als Vendöme sich Ostiglia näherte, und seinBruder die Secchia überschritten und den General Albergotti mit 4000Mann nach Finale in Starhemberg's Kücken gesandt hatte, Hess Letz-terer die Dämme bei Ostiglia durchstechen, setzte somit die ganzeUmgegend unter Wasser, wandte sich mit seinen überlegenen Streit-kräften gegen Albergotti, schlug ihn und stellte sich von Neuem imGebiete von Mirandola auf, nachdem er die französische Armee ge-zwungen hatte, sich auf beiden Po-Ufern ohne den geringsten Erfolg zu-rückzuziehen.

Darauf blieb Vendöme 40 Tage lang in vollständiger Unthätigkeit,und nachdem er den Befehl erhalten hatte, nach Tirol zu gehen, um sichmit dem Kurfürsten von Baiern zu vereinigen, und seinen Bruder mitder Hauptmacht gegen Starhemberg zu belassen, marschirte er selbst mit22,000 Mann zu beiden Seiten des Gardasees, vereinigte seine Truppenan der nördlichen Spitze des Sees und ging dann den Fluss Sarca auf-wärts nach Trient. Dieser Marsch wurde aber von ihm so langsam aus-geführt, dass, als er nach Trient kam und die Stadt blokirte, der Kurfürstvon Baiern schon nach München zurückgegangen war. Inzwischen hatteder Herzog von Savoyen, der schon früher in heimlichen Unterhandlungenmit dem Kaiser und seinen Feldherren gestanden hatte, die Entfernung