4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 9 [
zurückberufen wurde. Der an seine Stelle bestimmte Marschall MarsinHess die französischen Truppen Winterquartiere in Baiern und Schwabenbeziehen. Der Kurfürst von Baiern kehrte nach seinen Besitzungen zu-rück, und der Prinz von Baden, nachdem er sich mit Styrum vereinigt,bezog Winterquartiere zwischen dem Bodensee und dem Neckar.
Frankreich verlor viel durch die Abberufung Villars' aus Deutsch-land. Bei der ihm eigenen Kühnheit und Entschlossenheit im Handelnwäre es ihm wahrscheinlich gelungen, die kaiserlichen Truppen ver-einzelt zu schlagen; er hätte es verstanden. diese Erfolge auszunutzenund den Franzosen in Baiern und an der Donau ein bedeutendes Ueber-gewicht zu verschaffen. Seine Operationen im Jahre 1703 in Deutsch-land sind in vieler Hinsicht sehr bemerkenswerth, besonders zeichnen siesich durch Kühnheit, Entschlossenheit und Combinationskunst aus, sowiedurch ihre Ausführung mit concentrirten Kräften und endlich dadurch,dass er dem Kampfe vor dem Manövriren den Vorzug gab.
Die 37,000 Mann starke französische Armee am Rhein war in diesemJahre im Laufe von 3*/ 2 Monaten nur mit der Vernichtung der Linien amFlusse Moder, mit der Observation der Stollhoffener Linien und mitden Vorbereitungen zur Belagerung Breisachs beschäftigt, während fastalle kaiserlichen Truppen von hier gegen Villars abberufen waren.
Bei der Belagerung Breisachs, dessen Garnison im Ganzen aus 4000Mann bestand, war die französische Rheinarmee auf 60,000 Mann ge-bracht ; sie unternahm aber nichts Wichtiges und wurde in kurzer Zeitso sehr durch Zerstückelung in Detachements geschwächt, dass Tallard,der im October Landau blokirt hatte und dem Prinzen von Hessen ent-gegenging, sobald er in Erfahrung gebracht, dass dieser mit 24,000 Mannaus den Niederlanden nach Speier vorrücke, aus dem Belagerungs-corps nicht mehr als 19,000 Mann nehmen konnte. Die TruppenTallard's langten am Speierbach zu derselben Zeit an, als der Prinzvon Hessen denselben passirte. Ohne ihre Aufstellung in Schlachtord-nung abzuwarten, warfen sie sich in derselben Ordnung, wie sie denMarsch gemacht, d. h. in Marschcolonnen, auf die Truppen des Prinzenvon Hessen , griffen sie mit dem Bajonnet an und schlugen sie gänzlich.Dieser erste, durch so glänzenden Erfolg gekrönte Bajonnetangriff derInfanterie in Colonnen wurde als grober Fehler, als sichtbare Miss-achtung der Regeln der Kriegskunst betrachtet und allgemein getadelt.Bald nach dem Siege am Speierbach eroberte Tallard Landau und bezogWinterquartiere, womit der Feldzug am Rhein im Jahre 1703 endigte.
§• 41.Operationen Vendome's und Starhemberg's in Italien im Jahre 1703.
Der Feldzug dieses Jahres in Italien begann unter den ungünstigsten