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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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90 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

Eine derartige Theilung der Streitkräfte des Prinzen von Baden undder Marsch eines Theiles derselben hinter die Donau nach Augsburg warsehr kühn und gefährlich: wenn der Kurfürst von Baiern in Tirolschneller und energischer operirt hätte, so hätte Villars gegen den Prin-zen von Baden mehr als 33,000 Mann zusammenziehen und ihn schlagenkönnen. Der Marsch des Prinzen von Baden hinter die Donau zwang denKurfürsten von Baiern, aus Tirol nach Baiern zurückzukehren. Aberwie es ihm nicht gelungen war, sich in Tirol mit den französischenTruppen, die aus Italien kommen sollten, zu vereinigen, ebenso weniggelang es ihm, dem Prinzen von Baden bei Augsburg zuvorzukommen,und er wagte es nicht, ihn in seiner starken Position anzugreifen,obgleich er sich mit Villars vereinigt hatte. Die französisch-bairischeArmee zog sich nach Donauwörth zurück. Bald darauf marschirte Styrumin der Absicht, sich mit dem Prinzen von Baden bei der Mündung des Lechsin die Donau zu vereinigen, nach Höchstädt i'auf dem linken Donauufer,oberhalb Donauwörth). Villars entschloss sich, ihn anzugreifen, und be-wog auch den Kurfürsten von Baiern dazu. Dem das französischeTruppendetach'ement im Lager zu Dillingen befehligenden Jusson wurdeder Befehl zu Theil, Styrum (19. September) zu derselben Zeit in denKücken zu fallen , wenn die französisch-bairische Armee, nachdem siedie Donau überschritten, Styrum in der Fronte angreifen würde.Aber Jusson griff viel zu früh allein an und wurde geworfen; späterjedoch, als Styrum seiner Zeit von der französisch-bairi sehen Armee ge-schlagen wurde, entschloss er sich nicht, die Niederlage Styrum's durcheinen Angriff im Rücken desselben zu vervollständigen, sondern liessihn ungehindert nach Nördlingen abziehen. Auf andere Weise hättendie geschickten Combinationen Villars', die sich besonders durch Ent-schlossenheit auszeichnen, zur gänzlichen Vernichtung der TruppenStyrum's führen können, hatten aber so in Folge der Fehler Jusson'snicht den vollen Erfolg. Dann liess Villars 19,000 Mann am Lechzur Deckung Baierns stehen und marschirte selbst mit 25,000Mann nachWiblingen an der Hier, um Styrum zu verhindern, sich mit dem Prinzenvon Baden auf dem linken Donauufer zu vereinigen. Der Prinz von Ba-den marschirte nach Kempten, um seine Vereinigung zu sichern, undVillars, nachdem er 54,000 Mann concentrirt hatte, ging nach Memmingenin der festen Absicht, den Feldzug durch eine Schlacht zu entschei-den. Dem Prinzen von Baden gelang es aber, sich nach Leutkirchund dem Buchauer See zurückzuziehen. Dessen ungeachtet wollte Vil-lars , die Theilung der feindlichen Kräfte benutzend, den Prinzen vonBaden früher angreifen, ehe Styrum sich mit ihm vereinigen konnte. Indieser Zeit aber erreichte die Uneinigkeit zwischen Villars und dem Kur-fürsten von Baiern einen so hohen Grad, dass der erstere aus der Armee