4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 89
somit 50,000 Mann um sich hatte, die Stollhoffener Linien erobern unddie in denselben befindlichen 29,000 Mann starken kaiserlichen Truppenschlagen. Aber theils weil seine Generäle anderer Meinung waren,theils aus einigen andern Gründen, stand er leider von seiner Absichtab, deren Ausführung dem Kriege in Deutschland eine entscheidendeWendung hätte geben können. Er liess Tallard mit 30,000 Manngegen die Stollhoffener Linien zurück und marschirte selbst mit denübrigen 30,000 Mann durch das Flussthal der Kinzig nach Tuttlingenund von dort durch das Donauthal nach Riedlingen, wo er sich mit derbairischen Armee vereinigte. Die vereinigte französisch-bairische Armeewar 60,000 Mann stark. Der Prinz von Baden seinerseits liess gleichfallseinen Theil der Truppen in den Stollhoffener Linien und marschirte mitden übrigen nach Stuttgart, wo er sich mit Styrum vereinigte; ihre ver-einten Streitkräfte waren 36,000 Mann stark. Nach seiner Vereinigungniit den Baiern wollte Villars durch das Donauthal gerade nach Wien mar-schiren und es Tallard überlassen, den Prinzen von Baden aufzuhalten.Aber der Kurfürst von Baiern, der für seine Besitzungen fürchtete, gingauf diesen kühnen und entscheidenden Operationsplan nicht ein, sondern'zog demselben einen andern, von Villars vorgeschlagenen vor, zuerstnoch 20,000 Mann französischer Truppen aus Italien heranzuziehen, unddann mit 80,000 Mann nach Wien zu marschiren.
Die Ausführung dieses Planes erforderte grosse Geschicklichkeit undEinheit; wenn sie aber gelungen wäre, so hätte sie aller Wahrscheinlich-keit nach den Krieg in Deutschland entschieden.
In Uebereinstimmung mit diesem Operationsplane blieb Villars mit denfranzösischen Truppen zur Deckung Baierns im befestigten Lager zwi-schen Lauingen und Dillingen auf dem linken Donauufer, und der Kur-fürst von Baiern marschirte mit den bairischen Truppen nach Tirol, denTruppen entgegen, die aus Italien kommen sollten. Der von Villarsvorgeschlagene Plan konnte mit Erfolg nur in Folge energischer Opera-tionen des Kurfürsten in Tirol ausgeführt werden. Aber der Kurfürstbeschäftigte sich in Tirol mit Belagerungen von Festungen und verlorunnütz viel Zeit. Inzwischen wollte der Prinz von Baden, der Villars inseinem befestigten Lager nicht anzugreifen wagte, ihn durch Manöver vondort auf das andere Donauufer abziehen. Die von ihm Anfangs zudiesem Zwecke an den Fluss Hier entsendeten 6000 Mann wurden beimUebergange über die Donau bei Munderkirchen von den von Villarsgegen sie gesandten 5000 Mann geworfen. Da ging der Prinz vonBaden, nachdem er Styrum mit 20,000 Mann gegen das Lager Villarszurückgelassen, selbst mit 27,000 Mann oberhalb Ulm über die Donau,und nachdem er Augsburg erobert, stellte er sich in der Nähe desselbenin einer starken Position zwischen den Flüssen Lech und Wertach auf.