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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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88 IL Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

Gegensatz zu der jener Zeit eigenen Zaghaftigkeit, 'Langsamkeit undUnentsclilossenheit in den Operationen, und sind daher besonderer Be-achtung werth, indem sie ausserdem noch als Beweis dienen, dass Villarsnicht unter die Zahl der gewöhnlichen Feldherren gehörte.

Seine Operationen waren für den Kurfürsten von Baiern deshalb vonNutzen, weil sie demselben die Möglichkeit boten. sich gegen Styrumund Schlick zu wenden, von deren Truppen ein Theil von der Donauzum Rhein abgesandt war, und einzeln die zerstückelten Streitkräftederselben zu schlagen. Nachdem der Kurfürst von Baiern Neuburg,den einzigen Uebergang für die kaiserlichen Truppen über die Donau,besetzt und erfahren hatte, dass Schlick, der aus Salzburg zum FlusseInn herangerückt war, Schärding genommen habe und nach Passau mar-schire, ging er von Donauwörth nach Braunau. Schlick hatte den gröss-ten Theil seiner Truppen in Passau, die übrigen in Schärding undEssem-brat untergebracht. Solch eine Theilung der Streitkräfte bot dem Kur-fürsten von Baiern die Möglichkeit, die Truppen Schlicks zuerst beiSchärding, dann bei Essembrat zu schlagen und mit grossem Verlustnach Passau zurückzuwerfen.

Gleich darauf, als der Kurfürst in Erfahrung gebracht, dass StyrumNeumarkt erobert, Amberg blokirt und die gegen ihn geführten bairi-schen Truppen hinter die Naab zurückgedrängt hatte, marschirte ergegen ihn, schlug ihn bei Einhof an der Alls und verfolgte ihn in derRichtung nach Neumarkt hin. Inzwischen hatte Schlick Verstärkungenerhalten und Schärding und Vilshofen wieder erobert. Der Kurfürstmarschirte gegen ihn über Regensburg und zwang ihn abermals, sichnach Passau zurückzuziehen.

Auf diese Weise hatte der Kurfürst von Baiern, der sich zwischenden einzelnen Theilen der feindlichen Truppen befand, schnell und ent-schlossen bald gegen den einen, bald gegen den andern Theil sich wen-dend, sehr geschickt operirt und hätte noch wichtigere und glänzendereErfolge erzielt, wenn er seine ganze Macht (50,000 Mann) ungetheilt zumOperiren verwendet hätte. Statt dessen aber, indem er sich auf die bal-dige Ankunft Villars' verliess und nach Möglichkeit mehr Städte zu er-obern bemüht war, um später beim allgemeinen Friedensschlüsse diesezu behalten, zerstückelte er seine Armee und operirte im Felde mit demkleineren Theile seiner Streitkräfte bei Schärding war er sogar schwä-cher als sein Gegner).

Bald darauf, als Villars sah,-dass am linken Donauufer sich vonNeuem bedeutende Streitkräfte gegen Baiern sammelten, ging er mit34,000 Mann in der Unigegend von Strassburg über den Rhein, ver-einigte mit seinem Heere noch Tallard's 16.000 Mann, die von derMosel her über Strassburg gekommen waren, und wollte, nachdem er