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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feklzüge. 87

von Baiern. Letzterer hatte 30,000 Mann im Felde, 22,000 Mannin Garnisonen zu Ingolstadt, Neumarkt, München u. a. 32,000 Mannfranzösischer Truppen, die nach Baiern bestimmt waren, unter demBefehle des Marschalls Villars, befanden sich am Mittelrhein und be-herrschten die Uebergänge bei Hüningen und Neuburg. Tallard mit12,000 Mann an der Mosel sollte die Grenzfestungen decken. Der Kaiserandrerseits wollte seine Hauptmacht gegen den Kurfürsten von Baiernverwenden, dessen Verbindung mit den Franzosen hindern und ihn zwin-gen, sich vom Bunde mit Ludwig XIV. loszusagen. In Folge dessensammelten sich gegen Baiern am Anfange des Jahres: auf dem linkenDonauufer gegen 9000 Mann kaiserlicher Truppen unter dem Commandodes Feldmarschalls Styrum, auf dem rechten Ufer aber gegen 20,000 Mannunter dem Befehle des Marschalls Schlick. Der Prinz Ludwig von Badenmit 30,000 Mann kaiserlicher und Reichs-Truppen hielt das rechteUfer des Mittelrheins besetzt, indem er seine gesammte Armee inDetache-ments auf der ganzen Entfernung zwischen dem Bodensee und den Stoll-hoffener befestigten Linien zerstückelte. Seine Hauptmacht befandsich in den befestigten Linien am Flusse Kinzig, von wo aus er die kleineFestung Kehl und den dortigen Rheinübergang deckte. Seine Truppenhielten auch die Festungen Breisach und Freiburg besetzt. Endlich sollteder Prinz von Hessen mit 9000 Mann holländischer Miethstruppen ausden Niederlanden zur Mosel marschiren, um die Franzosen vom Rheinabzuziehen. Villars eröffnete den Feldzug mit einem glücklichen undglänzenden Uebergang über den Mittelrhein und einem Ueberfall auf dieWinterquartiere des Prinzen von Baden. Mitte Februar ging er über denRhein bei Hüningen und Neuburg, marschirte schnell am rechten Rhein-ufer abwärts, ging unter den Mauern der feindlichen Festungen Breisachund Freiburg vorüber, schlug 9000 Mann kaiserlicher Truppen am FlusseElz, zerstreute die in Quartieren liegenden Truppen und zwang sie, inVerwirrung und Unordnung in die Stollhoffener Linien zu flüchten.Sodann eroberte er Offenburg und in demselben die ganze Artillerie undbedeutende Vorräthe des Prinzen von Baden, liess einen Theil der Trup-pen zur Belagerung Kehls zurück und marschirte selbst mit dem übrigenTheile der Truppen durch das Thal des Flusses Kinzig und nahm zumzweiten Male bedeutende feindliche Vorräthe in Haslach. Der Kaiser,durch diese schnellen und unerwarteten Erfolge der Franzosen in Auf-regung versetzt, sandte eiuen Theil seiner Truppen von der Donau nachSchwaben. Deshalb entschloss sich Villars ( l / 3 seiner Infanterie war zu-dem ohne Flinten), nicht nach Baiern zu gehen, sondern marschirte, nach-dem er Kehl erobert, hinter den Rhein zurück. Die Kühnheit, Schnel-ligkeit und Entschlossenheit, mit welcher diese Operationen, mit vollemErfolge gekrönt, von Villars ausgeführt wurden, bilden einen schroffen