86 H- Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
zen Eugen über den Po zu erobern. Bei aller "Wachsamkeit Vaudemont's,gelang es dem Prinzen Eugen doch, ihn zu täuschen, allmälig seine Armeebei Borgoforte über den Po zu führen und, nachdem er 36,000 Mannconcentrirt hatte, ebenfalls nach Luzzara zu marschiren. Hier, nachdemer einen Hinterhalt gestellt, gedachte er die französische Armee plötzlichzu überfallen; aber zufällig wurde sein Hinterhalt von den Franzosenentdeckt, und Prinz Eugen war gezwungen, einen Kampf aufzunehmen,der nachtheilig für ihn ausfiel. Wenngleich beide Seiten sich den Sieg-zuschrieben, so war doch Prinz Eugen genöthigt, zum Flusse Po zurück-zugehen. Dann verblieben von Neuem beide Armeen in Unthätigkeit,während dessen die Franzosen jedoch dem Feinde alle seine Magazinewegnahmen, mit alleiniger Ausnahme derjenigen, die in Mirandola waren.Vendöme marschirte endlich auch nach dieser Stadt hin, Prinz Eugenwar ihm aber zuvorgekommen, und trotz seiner Ueberlegenheit an Streit-kräften (56,000 Mann) griff er ihn nicht an. Prinz Eugen versuchtedanach noch durch List Mantua und die Pobrücke bei Guastalla zu er-obern, aber weder das Eine noch das Andere gelang ihm, und bald da-rauf bezogen beide Armeen die Winterquartiere.
Der Feldzug des Jahres 1702 endete nicht günstig für den PrinzenEugen, der gezwungen war, das linke Poufer zu räumen und sich auf dasrechte Ufer zurückzuziehen; er verlor die geraden und nächsten Commu-nicationen mit Tirol und hielt sich kaum in dem unbedeutenden Gebietvon Mirandola.
Die Feldzüge in Italien in den Jahren 1701 und 1702 sind in folgen-der Hinsicht bemerkenswerth: Im Jahre 1701 rückte Prinz Eugen inItalien auf einem neuen, von ihm selbst am linken Etschufer angelegten"Wege ein und marschirte bis Peschiera, ohne Magazine und fast ganzohne Verstärkungen und Zufuhr aus Oesterreich. Im Jahre 1702 be-zog er fast ausschliesslich alle zur Kriegführung erforderlichen Mittelaus den von ihm eroberten Gebieten von Mirandola und Mantua und nurtheilweise aus Oesterreich. Somit bietet der Unterhalt der kaiserlichenArmee aus Mitteln des eroberten Landes, der Oesterreich fast gar nichtskostete, eine bemerkenswerthe Ausnahme von den damals allgemeinenKegeln hinsichtlich des Unterhalts der Armeen durch Mittel des eigenenLandes und der dem entsprechenden Operationen.
§.40.Der Feldzug des Jahres 1703 in Deutsehland.
Nachdem Ludwig XIV. am Anfange des Krieges den günstigenAugenblick zu Oft'ensivoperationen in Deutschland versäumt hatte, ent-schloss er sich endlich im Jahre 1703, die Offensive zu ergreifen, undvereinigte zu diesem Zwecke seine Armee mit der Armee des Kurfürsten