4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 85
bekannt waren. 3) Der Zerstückelung der französischen Armee. 4) DerUntauglichkeit und den Fehlern der französischen Generäle.
§.39.Der Feldzug des Prinzen Eugen von Savoyen in Italien im Jahre 1702.
Prinz Eugen, der in diesem Jahre die Offensivoperationen gegendie im mailändischen Gebiete befindliche französische Armee fortzusetzenbeabsichtigte, schloss Mantua enger ein (die Blokade hatte schon 1701begonnen), errichtete in Brescello, Guastalla, Luzzara, Mirandola undBorgoforte Magazine und eröffnete seine Operationen durch den plötz-lichen Ueberfall auf Cremona, wo ausser der Einquartierung der franzö-sischen Armee das Hauptquartier war und Villeroi selbst sich befand.In Cremona aber, das durch List und fast nur durch Cavallerie er-obert war. konnte sich Prinz Eugen nicht halten und war gezwungen,zurückzuweichen.
Der Herzog von Vendöme, der an Stelle Villeroi's den Oberbefehlüber die französische Armee übernommen hatte, beschloss, zum FlusseMincio zu marschiren, sich an den Communicationen des Prinzen Eugenmit Tirol aufzustellen und ihn somit zum Kampfe zu zwingen oder wenig-stens Mantua mit Proviant zu versorgen. Nachdem Vendöme seine Armeedurch Verstärkungen auf 51,000 Mann gebracht hatte, überschritt erbeiPontevico denOglio und marschirte nach Goito am Mincio. Umgangenund abgeschnitten von seinen geraden und nächsten Communicationenmit Tirol, war Prinz Eugen gezwungen, mit 39,000 Mann seiner Trup-pen sich nach dem von ihm blokirten Mantua zurückzuziehen, woer sich unweit der Stadt in einer starken Position, mit dem rechten Flügelan Mantua stossend, aufstellte; die Verpflegung der Truppen aber be-sorgte er aus den von ihm im Gebiete .von Modena auf der rechten Seitedes unteren Po errichteten Magazinen. Nachdem Vendöme Mantua mitProviant versorgt hatte, stellte er sich der Armee des Prinzen Eugengegenüber in der Position bei Rivalto auf. In dieser Aufstellung bliebenbeide Armeen einen Monat lang in Unthätigkeit, indem sie nur denkleinen Krieg führten. Endlich ging Vendöme, nachdem er 23,000 Mannunter Vaudemont's Führung zurückgelassen, um seinem Gegner den ge-raden Rückzugsweg nach Tirol zu verlegen, mit 23,000 Mann nachCremona und Casal maggiore, in der Absicht, auf das rechte Po-Uferüberzugehen, den Prinzen Eugen von den im Modenesischen eingerich-teten Magazinen abzuschneiden und ihn auf diese Art ganz aus Italienzu verdrängen. Nachdem er über den Po gegangen, einen Theil der feind-lichen Reiterei am Flusse Crostolo geschlagen, Reggio, Modena undCarpi erobert und seine Truppen auf 36,000 Mann verstärkt hatte,marschirte Vendöme nach Luzzara in der Absicht, die Brücken des Prin-