84 II- Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des IS. Jahrhunderts.
Armee noch 17,000 Mann eigener Truppen zuführte, so dass sich dieStärke der Armee auf 50,000 Mann belief. Der Herzog von Savoyen gingbei Goito auf die rechte Seite des Flusses Mincio über, und der PrinzEugen, der nach Erreichung von Peschiera auf seine geradesten undnächsten Communicationen mit Tirol angewiesen war, marschirte vondort nach Brescia. indem er die linke Flanke der französischen Armeeumging und ihre Verbindung mit Frankreich bedrohte. Dabei war eraber selbst der Gefahr ausgesetzt, durch die doppelt so starke franzö-sische Armee von seinen Communicationen mit Tirol abgeschnitten zuwerden. Jedoch der Herzog von Savoyen dachte gar nicht daran, dieseszu benutzen, sondern beeilte sich, hinter die Flüsse Chiese und Ogliozurückzugehen, um seine eignen Communicationen zu sichern und denPrinzen Eugen in der Fronte empfangen zu können. Inzwischen blieb derLetztere in Erwartung einer Verstärkung aus Tirol (10,000 Mann) in derstark befestigten Position bei Chiari. Bald darauf kam Villeroi an. Ent-schlossen, den Prinzen Eugen anzugreifen, ehe noch die erwarteten Ver-stärkungen eingetroffen, ging er (Anfang September) mit 45,000 Mannüber den Oglio und war seines Sieges so sicher, dass er nicht einmaldie Artillerie mit sich nahm. Dieser Umstand war eine der Haupt-ursachen des Misslingens seiner Unternehmung : sein Angriff auf diePosition des Prinzen Eugen bei Chiari wurde mit grossem Verluste fürdie Franzosen zurückgeschlagen, und letztere waren gezwungen, sichzurückzuziehen; aber der Prinz Eugen verfolgte sie nicht. Der übrigeTheil des Feldzuges bestand in unbedeutenden Operationen des kleinenKrieges, welche übrigens für die kaiserliche Armee vortheilhaft, für diefranzösische Armee unvortheilhaft waren. Das Resultat war, dass dieletztere Winterquartiere zwischen dem Flusse Oglio und Cremona bezog,Prinz Eugen aber die seinigen, nachdem er einige Punkte an dem FlusseOglio und am untern Po, sowie Guastalla und Mirandola erobert hatte,hinter den Flüssen Oglio und Mincio, mit dem linken Flügel nach demPo hin.
Prinz Eugen hatte in diesem Feldzuge nach den Begriffen damali-ger Zeit wichtige und glänzende Erfolge über die Franzosen errungen.Das Misslingen ihrer Unternehmungen muss aber hauptsächlich folgendenUmständen zugeschrieben werden: 1) dem, dem Marschall Catinat ge-gebenen Befehle, die Etsch nicht zu überschreiten. Wenn ein solcherBefehl nicht gegeben worden wäre, so hätte Prinz Eugen sich wohlkaum entschlossen, nach der unteren Etsch zu marschiren und dieselbezu überschreiten, und wenn er trotzdem über dieselbe gegangen wäre, sohätte seine Armee leicht von Tirol abgeschnitten und vernichtet werdenkönnen. 2) Den heimlichen Verbindungen des Herzogs von Savoyen mitdem Prinzen Eugen, durch welche Letzterem alle Absichten der Franzosen