Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 83

Mann französischer Truppen (33,000 Manu im Felde, 5000 Mann in Mahrtua und gegen 6000 Mann in Garnisonen in Mirandola, Cremona. Piz-zighetone, Lodi, Lecco u. a.). Der Oberbefehlshaber der Truppen, Mär-schall Catinat, der von seiner Eegierung den Befehl hatte, die Feindselig-keiten nicht zu eröffnen, sich auf die Defensive zu beschränken und be-sonders nicht auf das linke Ufer des Flusses Etsch überzugehen, stellte«ich mit seiner Hauptmacht bei Kivoli auf. indem er auf diese Weise denkaiserlichen Truppen den kürzern Weg aus Tirol nach Nord-Italien ver-legte. Eine solche Aufstellung der französischen Armee und die demMarschall Catinat gegebenen Befehle bewogen den Prinzen Eugen vonSavoyen (der mit 30,000 Mann Truppen vom Kaiser abgesandt war, umdie Franzosen aus Nord-Italien zu verdrängen), aus dem Trienter Gebieteine Flankenbewegung am linken Ufer des Flusses Etsch abwärts zuunternehmen und über diesen Fluss an seinem unteren Laufe zu gehen.Zu diesem Zwecke begann er über das Gebirge auf dem linken Ufer derEtsch einen neuen Weg anzulegen. Der Weg wurde hergestellt, und aufdemselben gingen die Truppen über das Gebirge heimlich und unbehin-dert nach Verona, weil das Gebirge sowohl die Arbeiten als auch dieTruppenbewegung den Franzosen verdeckte, hauptsächlich aber deshalb,weil Catinat nicht über den Etsch-Fluss gehen konnte. Sobald der fran-zösische Feldherr sich von dem Marsche des Prinzen Eugen nach derunteren Etsch hin überzeugt hatte, Hess er einen Theil seiner Truppenbei Eivoli und verfolgte mit seiner Hauptmacht am rechten Ufer der Etschabwärts die Bewegungen des Prinzen Eugen, zerstückelte seine Armeeund marschirte längs dem Flusse in langen Reihen. Prinz Eugen, derdies benutzte, führte seine ganze Armee abtheilungsweise über die un-tere Etsch bei Castelbaldo, unterhalb Verona, stellte sich auf der rechtenFlanke der französischen Armee unbehindert auf, eroberte Carpi undschlug an dieser Stelle einen Theil der französischen Truppen. Er hätte,wenn er am rechten Ufer der Etsch aufwärts marschirt wäre, die vonRivoli bis Ostiglia lang gezogene und zerstückelte Armee der Franzosenin Theilen schlagen können, aber, durch schlechte Wege aufgehalten undseine Belagerungs-Artillerie erwartend, operirte er nicht schnell und ent-schieden genug und Hess dem Marschall Catinat somit Zeit, seine Streit-kräfte bei Villafranca, zwischen der Etsch und dem Mincio, zu concen-triren. Bald darauf machte Prinz Eugen eine" Flankenbewegung ander französischen Armee vorbei in nicht weiter Entfernung von derselben.Zu seinem Glücke wagte Catinat es nicht, ihn während dieser Bewegunganzugreifen. Ludwig XIV., unzufrieden mit der Unentschlossenhcit desMarschalls Catinat, berief ihn zurück und bestimmte an seine Stelle Vil-leroi, bis zu dessen Ankunft den Oberbefehl über die französische Armeein Italien der Herzog von Savoyen übernahm, welcher der französischen