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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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80 II- Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

Der die französisch - spanische Armee in Italien befehligende MarschallCatinat war zu sehr durch die Befehle seines Hofes gebunden ; der Her-zog von Savoyen, der seine Stelle vertrat, war schon im Einverständnissmit den Verbündeten; Villeroi aber, der definitiv den Befehl über dieArmee übernommen hatte, wurde vom Prinzen Eugen bei Chiari ge-schlagen und am Anfange des nächsten Jahres (1702) in Cremona ge-fangen genommen. Der Erfolg krönte die Waffen des Kaisers in Italien,und in Deutschland war der Herzog von Wolfenbüttel, den Ludwig XIV.ohne Schutz gelassen, gezwungen, seine Truppen zu entlassen und aufdie Seite des Kaisers überzugehen.

In allen Feldzügen der Kriegsperiode von 17021707 hatten beidekriegführende Parteien zahlreiche Armeen, deren Verwendung in Massenzu den entschiedensten Resultaten hätte fuhren können. Aber, nach Ge-brauch der Zeit, wurden die Armeen in Detachements zerstückelt, bilde-ten die Besatzungen vieler Festungen, hatten in jeder Gegend besondereund grösstentheils geringfügige Zwecke, und in der Führung des Kriegesüberhaupt war weder auf der einen noch auf der andern Seite Einheit.

Der Herzog von Vendöme, der (im Jahre 1702) die Stelle Villeroi'seinnahm, gab dem Kriege in Italien nach der Schlacht bei Luzzara eineden Franzosen entschieden günstige Wendung. Im Mai desselben Jahres(1702) erklärten endlich die Verbündeten Frankreich den Krieg, aber ihreOperationen in diesem Jahre waren unwichtig und unbedeutend. ImJahre 1703 nahm der Krieg einen entschiedeneren Charakter an. Villarsund der Kurfürst von Baiern, die in Deutschland wichtige Erfolge überdie kaiserlichen Truppen errungen hatten, bereiteten sich schon vor, indie österreichischen Erblande einzufallen. Allein zwischen ihnen entstan-dene Misshelligkeiten, besonders aber die Unentschlossenheit des Kur-fürsten hinderte sie an der Ausführung dieses Planes. Trotzdem erfochtVillars (1703) einen Sieg über die kaiserlichen Truppen bei Höchstädt,der nur deshalb keine wichtigen Folgen hatte, weil der Kurfürst vonBaiern es nicht verstanden hatte, den Sieg zu benutzen. In den Nieder-landen , Italien und Spanien beschränkten sich beide Parteien aufs Ma-növriren, auf Belagerungen von Festungen und auf die" Führung deskleinen Krieges. Im Jahre 1704 concentrirten die durch die Erfolge Lud-wig's XIV. in Unruhe versetzten Verbündeten einen grossen Theil ihrerStreitkräfte in Deutschland. Die Franzosen folgten ihrem Beispiele undder von den Verbündeten über sie erfochtene Sieg in der Schlacht bei Höch-städt (zweite Schlacht) gab dem Kriege in Deutschland eine entscheidendeWendung. Der Kurfürst von Baiern verlor seine Besitzungen, und vonder Zeit an bis zum Ende des Krieges beschränkten sich die Franzosenin Deutschland auf die Vertheidigung des Rheins. Im Jahre 1705 starbder Kaiser Leopold I. ; aber sein Nachfolger Joseph I. setzte den Krieg