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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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4. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige. 81

auf der bisherigen Grundlage fort. Endlich gaben die über die Franzosenim Jahre 1706 durch den Prinzen Eugen (bei Turin) und den Herzogvon Marlborough bei Eamillies in den Niederlanden) erfochtenen Siegedem ganzen Kriege im Allgemeinen eine entschiedene Wendung. Dererste dieser Siege überlieferte der Macht der Verbündeten ganz Ita-lien und das Königreich beider Sicilien, und der letztere Brabant undFlandern. Nach diesen drei Siegen (bei Höchstädt, Turin und Eamillies)vom Jahre 1707 an war Ludwig XIV. gezwungen, sich auf die Verthei-digung der Grenzen Frankreichs zu beschränken. In Spanien hielt sichder Erzherzog Karl in Catalonien, und Philipp V. in Castilien. Auf demMeere war die wichtigste Begebenheit die Eroberung Gibraltars durchdie Engländer.

Die Verbündeten wollten aus den errungenen Erfolgen, die ihre Er-wartungen übertroffen, Vortheile ziehen, wussten aber nicht, wie diesam sichersten zu erreichen sei, und entschlossen sich endlich, allmäligdasjenige in Besitz zu nehmen, was ihnen, so zu sagen, unter der Handwar. Sie beschlossen im Jahre 1707 : in den Niederlanden den übrigenTheil von Brabant zu erobern, von der Rheinseite her in das Elsass ein-zudringen, über die Alpen nach Toulon zu gehen, und in Spanien nachMadrid. Die Franzosen behaupteten nicht nur die Grenzen ihres Landes,sondern eroberten auch in Deutschland die Stollhoffener Linien, und inSpanien erlangten sie nach dem Siege bei Almansa ein entschiedenesUebergewicht über den Erzherzog Karl, den sie sogar aus Spanien gänz-lich hätten verdrängen können, wenn sie nur energischer operirt hätten.In Folge dessen beschloss Ludwig XIV. im Jahre 1708 in den Nieder-landen offensiv zu operiren. Aber die Niederlagen seiner Armeen beiOudenaarde (1708) und bei Malplaquet (1709), Geldmangel, Hungers-noth, der strenge Winter und die Erschöpfung Frankreichs zwangen ihnvon Neuem, sich auf die Vertheidigung zu beschränken, ja sogar denVerbündeten einen Frieden anzubieten, dessen Bedingungen seinerseitsmehr als massig waren. Zuvörderst war er einverstanden, den ErzherzogKarl als König von Spanien anzuerkennen, den Verbündeten bei Entthro-nung seines Enkels vom spanischen Thron behülflich zu sein, den Kur-fürsten von Brandenburg als König von Preussen anzuerkennen, denHerzog von Hannover als Kurfürsten, und die Tochter Jakob'sIL, Anna,als Königin von England, die Stuarts aus Frankreich zu entfernen, Strass-burg, Kehl, Breisach zurückzugeben, alle Festungen am Rhein von Baselbis Philippsburg zu schleifen, das Elsass abzutreten, Dünkirchen zuschleifen und die Festungen Furnes, Menin, Ypern, Lille, Tournai, Condeund Maubeuge den Holländern zu überlassen. Die Verbündeten aber,welche die französischen Bevollmächtigten auf dem Congress in Gertrui-denberg (in Holland) nicht zugelassen, forderten, dass der französische

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 111,2. 6