74 ti. Diu Kriege am Ende des 1". und am Anfange des 18. Jährhunderts.
§.35.Die Feldzüge der Jahre 1693 und 1694.
Bei Beginn des Feldzuges im Jahre 1693 beliefen sich die französi-schen Truppen in den Niederlanden auf 130,000 Mann. — Ludwig XIV.,der persönlich die Armee befehligte, marschirte nach Lüttich, um das-selbe zu belagern. Der Prinz von Oranien entschloss sich, die Belage-rung dieser Stadt zu verhindern, nicht weil die Stadt besonders wichtigwar, sondern um irgend welches Ziel für seine Operationen zu haben.Ludwig XIV. hatte aber inzwischen die Eroberung Heidelbergs in Deutsch-land durch die Franzosen erfahren, was er für einen sehr wichtigen Er-folg hielt. Daher sandte er 40,000 Mann Truppen dorthin, um in diesemJahre in Deutschland offensiv zu operiren, und beliess die übrigen 90,000Mann in den Niederlanden zu Defensivoperationen, nachdem er Luxcm-bourg den Befehl ertheilt hatte, den Prinzen von Oranien möglichst amMarsche nach der Meeresküste zu verhindern. Luxembourg bedrohtezuerst Löwen, dann Lüttich, und verlor unnütz viel Zeit. Endlich, alser erfuhr, dass der Prinz von Oranien seine Armee durch Absendungvieler Detachements geschwächt, griff Luxembourg den Letzteren beiNcerwinden an. Die Verbündeten waren dennoch zwei Mal stärker alsdie Franzosen und hatten eine starke Position inne. Vor der Front be-fanden sich die Dörfer Neerwinden (im Centrum) und Rostdorf (auf demlinken Flügel), Flechtwerk und Befestigungen. In denselben waren 100Geschütze aufgestellt. Das Mangelhafte dieser Position bestand darin,dass dieselbe eine zu schmale Front hatte, weshalb ein Theil der Reitereigezwungen war, sich mit einer nach hinten gebogenen Flanke aufzu-stellen [enpotence). Luxembourg griff die Position der Verbündeten inder ganzen Fronte an. Das Dorf Neerwinden ging drei Mal aus einerHand in die andere über, aber nach der vierten Einnahme desselben durchdie Franzosen bemerkte Feuquier (ein Kriegsschriftsteller), dass die Ver-bündeten, indem sie ihren rechten Flügel mit Truppen aus dem Centrumverstärkten, letzteres schwächten, und führte daher einen energischenAngriff auf das Centrum aus, durchbrach es und entschied somit den Siegzu Gunsten der Franzosen. An die Verfolgung der Verbündeten dachteNiemand, und Luxembourg, der nicht wusste, was er weiter thun sollte,erbat sich die Befehle des Königs. Nach langem Schwanken wurde be-stimmt — Charleroi zu belagern. Mit Eroberung dieser Festung endetedieser Feldzug.
Wegen Mangels an Mitteln zur Kriegführung, besonders an Geld,wurde im Jahre 1694 der Krieg noch unentschlossener geführt. Der ganzeFeldzug beschränkte sich auf unbedeutende Operationen. Die Franzosen,die gar nicht die Absicht hatten, Lüttich zu belagern, bedrohten die Stadt