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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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3. Die bemerkenswcrtlicsten Kriege und Feldzüge. 75

nur uud bemühten sich, ihre Quartiere so zu nehmen, dass die Reiterei aufLandesunkosten unterhalten werden konnte, und wählten daher haupt-sächlich die in der Nähe des Meeres gelegene, an Weideplätzen reicheGegend. Endlich bombardirten die Verbündeten vom Meere aus Dün-kirchen und Calais, um doch irgend etwas "Wichtiges auszuführen.

Im Jahre 1695 starb Luxembourg, und an seine Stelle trat Villeroi.Wenngleich Luxembourg durch seine Begabung unzweifelhaft die gegenihn kämpfenden Generäle überragte, so stand er doch weit unter Turenneund kann mit ihm gar nicht verglichen werden. Da er in gänzlicher Ab-hängigkeit von seinem Hofe stand, konnte er selten nach eigener Einge-bung handeln, aber auch in diesen Fällen richtete er sich nach den all-gemein angenommenen Regeln des Methodismus, und in seinen Feldzügenist nichts Schöpferisches, nichts Geniales zu sehen. Bei alledem besassLuxembourg taktische Kunst, verstand es, seine Handlungen der Oert-lichkeit anzupassen und geschickt die Cavallerie zu verwenden; er suchteden Kampf, erfocht in allen von ihm gelieferten Schlachten den Sieg,verstand es aber nicht, denselben dadurch auszunutzen, dass er den Feindverfolgte.

Was jedoch den Krieg im wahren Sinne des Wortes betrifft, so sanker so tief herab, dass die Feldherren, die grosse Armeen befehligten, aberkein bestimmtes Ziel hatten, im Laufe ganzer Feldzüge nicht wussten,was sie unternehmen sollten, und in Unthätigkeit verblieben, den kleinenKrieg führten oder von einem Orte zum andern marschirten.

§.36.Operationen des Marschalls Catinat in Italien..

Das coupirte Terrain Piemonts, die vielen vortheilhaften Vertheidi-gungspunkte und die Schwäche der französischen Truppen (18,000 M.)im Lande erlaubten dem Herzoge von Savoyen, auf einen fast unzweifel-haften Erfolg zu rechnen. Ohne Erfahrung und kriegerisches Talent zubesitzen, übernahm der Herzog persönlich das Commando über die Trup-pen, beschloss offensiv zu operiren und marschirte (1690) von Turin zumFlusse Po, überschritt denselben und Hess sich mit den Franzosen ineinen Kampf beim Kloster Stafarda ein. Catinat entsandte 10 Bataillonedurch einen Sumpf, der für unzugänglich gehalten wurde, um den linkenfeindlichen Flügel zu umgehen, erfocht einen vollständigen Sieg, erobertedarauf die Festung Susa und besetzte Savoyen. Im Jahre 1691 belagerteer die Festungen Villafranca, Nizza, Coni u. a , aber der Prinz Eugenkam dem Herzoge von Savoyen zu Hülfe und zwang die Franzosen, sichhinter den Po zurückzuziehen. Nachdem der Herzog von Savoyen seineArmee durch verbündete Truppen bis auf 50,000 Mann verstärkt hatte,brach er im Jahre 1692 in französisches Gebiet, in die Dauphine ein,