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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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3. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige. 73

Bouffiers nach Dinant; Luxembourg aber eilte Bouffiers zu Hülfe, undbeide Armeen standen einige Tage in der Nähe von Philippeville in Un-thätigkeit einander gegenüber, jede abwartend, bis Mangel an Proviantdie feindliche Armee zum Abzüge zwingen werde. Luxembourg warseinem Gegner an Streitkräften weit überlegen, aber der ihm gegebeneBefehl hinsichtlich der Aufnahme des Kampfes legte ihm Zwang auf,und er wagte es nicht zu kämpfen. Der übrige Theil des Feldzuges istnoch weniger bemerkenswerth. Dem ungeachtet hielt Louvois diesenFeldzug für einen glänzenden und beschloss im nächsten Jahre offensivzu operiren.

§. 34.Der Feldzug des Jahres 1692.Die für dieses Jahr vom Minister Louvois (der im verflossenen Jahregestorben war) vorgezeichneten Offensiv-Operationen begannen mit derBelagerung Namurs, wozu, noch auf Louvois' Anordnung, ungeheuereVorbereitungen getroffen waren. Ludwig XIV. belagerte persönlichNamur, und Luxembourg deckte die Belagerung. Nach der EroberungNamurs erhielt Luxembourg den Befehl defensiv zu operiren, und er be-gab sich bald darauf in die Umgegend von Brüssel, die mehr Mittel zumUnterhalte der in der französischen Armee befindlichen grossen Zahl vonCavallerie, Artillerie, Zug- und andern Pferden bot. Unterdessen hatteder Prinz von Oranien das Gerücht verbreiten lassen, dass er Namurzurück zu erobern trachte, und zu diesem Zwecke unternahm er eine ge-schickt ausgeführte Scheinbewegung. Als aber in Folge dessen Luxem-bourg, dadurch irre geleitet, sich schwächte, indem er nach jener Richtunghin einige Detachements absandte, überfiel ihn 'plötzlich der Prinz vonOranien bei Steenkerken. Die Franzosen waren gezwungen, in einerfür die Operationen ihrer Reiterei ganz ungünstigen Gegend den Kampfanzunehmen, die übrigens auch den Prinzen von Oranien hinderte, ent-scheidend zu agiren. . Ausserdem verspätete sich ein Theil der Truppendes Letzteren und nahm gar nicht am Kampfe Theil. Das Resultat desKampfes war: der Sieg der Franzosen und die Niederlage der Armeedes Prinzen von Oranien; beide Theile verloren dabei gegen 20,000Mann. Der Sieg bei Steenkerken brachte aber den Franzosen garkeinen Nutzen, im Gegentheil gelang es dem Prinzen von Oranien,sich mit 15,000 Mann englischer Truppen, die in Ostende gelandet waren,zu vereinigen, und er eroberte Furnes und Dixmuiden. Darauf boin-bardirte Bouffiers Charleroi, Luxembourg aber eroberte nach Abzugder englischen Truppen aus den Niederlanden Furnes und Dixmuidenwieder.