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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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3. Die bemerkenswerthesten Kriege und FeldzUge'. 69

er noch mächtiger als früher da und begann aufs Neue seine Macht zurVerstärkung und zum Ruhme Frankreichs, zum Nachtheile der Nachbar-staaten zu benutzen. Seine Gewaltthätigkeiten, die eine allgemeine Be-fürchtung für das politische GleichgewichtEuropas wach riefen, bewogenschliesslich den Prinzen Wilhelm von Oranien, gegen Frankreich einenneuen europäischen Bund zu organisiren, in welchen der Kaiser Leopold I.,der Kurfürst von Baiern, einige andere deutsche Fürsten, Karl XL,König von Schweden, und Karl IL, König vonSpanien, (imJ. 1688) ein-traten. In demselben Jahre (1688) erklärte Frankreich, in Veranlassungder streitigen Wahl des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln, dem Kaiserund Deutschland den Krieg.

Im Januar 1689 bemächtigte sich der Prinz von Oranien des eng-lischen Thrones, und Ludwig XIV. erklärte sich für den Beschützer desentthronten Jakob JI. Bald nachdem traten dem Bunde gegen Frank-reich England, Holland, Dänemark, Savoyen und der Papst bei. Aufdiese Weise rüstete sich ganz West-Europa zum Kampfe gegen Lud-wig XIV. Der in Folge dessen entbrannte neun Jahre lange Krieg er-streckte sich zu gleicher Zeit auf die Niederlande, die Länder am Rhein,Italien, die Grenzen Spaniens, Irland und die Meere und musste, wie esschien, entweder mit einem entschiedenen Triumphe oder mit einer ent-schiedenen Niederlage Frankreichs endigen. Die dieser Zeit eigeneArt und Weise der Kriegführung aber war die Ursache, dass weder diesnoch jenes geschah. Ausser in Irland und auf dem Meere, wo alleHauptunternehmungen der Franzosen gänzlich misslangen, befanden sichbeide kämpfenden Parteien überall und stets fast im Gleichgewichte, undwenn es auch vorkam, dass die Franzosen Siege errangen, so verstandensie es gewöhnlich nicht, aus denselben Nutzen zu ziehen, und ausser demRuhme boten sie ihnen keinen wesentlichen Vortheil. So erkämpfte derMarschall Luxembourg in den Niederlanden über die Verbündeten glän-zende Siege bei Fleurus (1690), bei Steenkerken (1692) und Neerwinden(1693), beide Parteien verloren in diesen drei Schlachten an 60,000Mann Truppen, und dennoch verlief der Krieg in dieser Gegend bis zumTode Luxembourg's ohne jegliches entschiedenes Uebergewicht der Fran-zosen über den Prinzen von Oranien und mit noch geringerem Erfolge nachdem Tode Luxembourg's, als Villeroi an seine Stelle trat (16951697).Die Operationen am Rhein waren unwichtig und unbedeutend. InItalien erlangte der Marschall Catinat nach den Siegen beiStafarda (1690)und Marsaglia (1693) das entschiedene Uebergewicht über den Herzogvon Savoyen, der in Folge dessen sich zuerst vom Bunde gegen Frank-reich lossagte und einen Separatfrieden mit demselben schloss (1699).Der träge, leblose Krieg an den Grenzen Spaniens bietet nichts be-sonders Bemerkenswerthes, mit Ausnahme der Eroberung Barcelonas