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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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3. Die bemerkenswertliesten Kriege und Peldzüge. 07

§.29.Allgemeine ächlussfolgerung über die Art der Operationskunst

Turenne's.

Bei Prüfung der Feldzüge Turenne's, besonders der vier letzten, er-giebt sich im Allgemeinen Nachstehendes:

Turenne überragte durch seine persönliche hohe militärische Bega-bung die Feldherren seinerzeit eben so bedeutend, wie seine Operationendurch Geschicklichkeit die diesen Zeiten der ersten Entwickelung desMethodismus allgemein eigenthümlichen Operationen überragten. SeineHaupteigenschaft, die Ursache und der Grund seiner ganzen Kunst warder seltene Scharfblick, mit welchem er richtig und ohne zu irren denCharakter, die Schwächen, das Vorhaben und die Absichten seiner Gegnererkannte und daraufhin seine Combinationen und Handlungen gründete.Mit grosser Gewandtheit verstand er es, die Zwistigkeiten und Fehler,die Langsamkeit und Unentschlossenheit seiner Gegner zu benutzen, undindem er selbst schlau, verschwiegen und energisch handelte, errang ei-nher den Feind wichtige Vortheile, ungeachtet seiner schwächeren Streit-kräfte und trotz der für ihn nicht günstigen Umstände.

Er stand über den falschen Kriegsbegriffen und Vorurtheilen seinerZeit: er operirte zu jeder Jahreszeit ohne Unterschied, im Herbste, Win-ter und Frühling, wie im Sommer, und war ein entschiedener Gegnervon Belagerungen und Eroberungen vieler Festungen, von Zerstückelungder Streitkräfte und unentschlossenen methodischen Operationen. Inhohem Grade verstand er die Manövrirkunst und übertraf darin alle Feld-herren seinerzeit; er verstand es. durch Manöver sein Ziel und Vortheileüber den Feind zu erringen, weshalb er hauptsächlich mit vereintenKräften und wenn es die Umstände erlaubten oder forderten schnellund entschlossen operirte, dem Kampfe nicht auswich, sondern ihn vielmehrsuchte. »Derjenige, der den Kampf ängstlich zu vermeiden sucht«, pflegteer zu sagen, »überlässt sein Land demjenigen, der den Kampf sucht.«»Unternehmen Sie weniger Belagerungen und lassen Sie sich öfter ineinen Kampf ein, sobald Sie Ihre eigene Armee dahin gebracht haben,dass sie an Zahl und Eigenschaften der Truppen der feindlichen über-legen ist« (so heisst es in der von ihm an Conde gegebenen Instruction).Den Kampf suchend, besass Turenne auch die taktische Geschicklichkeit,den Sieg im Kampfe zu erringen und die Truppen der Oertlichkeit ent-sprechend und der Bestimmung einer jeden Truppengattung gemäss zugebrauchen. Er war der Erste, der iu den Schlachten die Flankenan-griffe und vorher combinirte Umgehungen zu machen anfing.

Schliesslich besass er, wie alle grossen Feldherren, in hohem Gradedie Gabe, seine Truppen an sich zu fesseln, zu begeistern und zur Er-