66 II- Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
Heere auch bald Proviantmangel ein und im kaiserlichen Mangel anFourage. Die Befürchtung einer Hungersnoth zwang Turenne, eine Ent-scheidung im Kampfe zu suchen. Nachdem man einen durch das sumpfigeThal der Keuch führenden Fusspfad aufgefunden, befahl er denselbenwomöglich für das Heer brauchbar zu machen, und die Hälfte seinesHeeres bei Freistett zurücklassend, rückte er mit der anderen Nachts überdie Rench, um auf diesem Wege den linken Flügel des kaiserlichen Heereszu umgehen und dasselbe von Offenburg abzuschneiden. Um die Com-munication mit dem bei Freistett zurückgelassenen Heerestheile zusichern, wurden an der Uebergangsstelle an beiden Ufern Befestigungenerrichtet. Ohne von dem Vorhaben Turenne's Kenntniss zu haben, hatteMontecuculi Tags vorher befohlen, dass ein Theil der Offenburger Garni-son die Freistetter Position im Rücken angreife, während er zum Angriffder Front einen Theil seines Heeres detachirte. Diese, mit schwachenDetachements, in der Nacht und ohne allen Zusammenhang ausgeführ-ten Angriffe blieben erfolglos.
Das von Turenne nur mit der Hälfte seines Heeres ausgeführte Vor-rücken über die Rench war ein sehr kühnes Unternehmen und setzte ihnder Gefahr aus, von den zweifach stärkeren Streitkräften Montecuculi'sgeschlagen zu werden. Den Charakter seines Gegners kennend, wiedessen Besorgniss um die Erhaltung seiner Communicationen, war Tu-renne hierüber ruhig, um so mehr, da er überzeugt war, dass der aufseinem linken Flügel und in seinen Communicationen bedrohte Montecuculidem Kampfe ausweichen und sich zurückziehen würde. Mit seinem gan-zen Heere überschritt Turenne die Rench deshalb nicht, um dem Gegnerden Weg nach Strassburg nicht offen zu lassen.
Seine Voraussetzungen hatten Turenne nicht getäuscht. Von demVorrücken Turenne's in dem Augenblicke Nachricht erhaltend, wo diesersich schon bei Hamsgurst befand, zog sich Montecuculi noch in der Nachtnach Nieder-Sasbach zurück, wodurch er auf seinem Communications-wege Stellung nahm. Turenne, der die bei Freistett zurückgebliebenenTruppen an sich gezogen, folgte Montecuculi nach Sasbach. Hier wollteer es zu einem entscheidenden Kampfe kommen lassen, doch in demAugenblicke, wo er sein Heer in Schlachtordnung stellte und die Gegendrecognoscirte, wurde er von einer Kanonenkugel getödtet. Sein Todveränderte plötzlich die Lage beider Heere; unter den französischenGenerälen entstand Uneinigkeit, die damit endete, dass das franzö-sische Heer sich nach Altenheim zurückzog und hier über den Rheinzurückging. Montecuculi, der nun nicht mehr fürchtete, entweder ge-schlagen oder an den Rhein gedrängt zu werden, wo es ihm an einerBrücke fehlte, verfolgte die Franzosen, brachte ihnen eine grosse Niederlagebei, passirte bei Strassburg den Rhein und verlegte den Krieg insElsass.