3: Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige. 65
lagerung Philippsburgs, den Uebergang des kaiserlichen Heeres überden Rhein bei Speier und die Vorbereitungen zur Belagerung Landaus,Zaberns und Hagenaus unbeachtet und benutzte die Entfernung Monte-cuculi's , um bei Ottenheira (ungefähr 6 Meilen oberhalb Strassburg) eineBrücke über den Rhein zu schlagen, mittels deren er den Rhein passirte,worauf er sich des befestigten Willstett bemächtigte und seine Heerezwischen den Flüssen Einzig und Schutter Stellung nehmen liess, wo-durch er Strassburg deckte und die feindlichen Magazine bei Offenburgbedrohte. Dieser letzte Umstand bewog Montecuculi, über Lichtenau undUrloffen nach Offenburg zu eilen. Um seine Communication mit dem linkenRheinufer zu sichern, detachirte Turenne 8 Bataillone und 34 Escadronsnach Altenheim, besetzte mit einem Theile seines Heeres die Brücke beiOttenheim und blieb selbst mit dem Hauptheere in Willstett. Somithatte das französische Heer eine über 4 Meilen lange Ausdehnung imAngesichte eines Feindes, welcher der Ottenheimer Brücke näher alsder eigene in Willstett befindliche linke Flügel war. Um sich dieseszu Nutze zu machen, rückte Montecuculi gegen Ottenheim, wodurcher, wenn er rasch und entschlossen vorgeschritten wäre, das Heer Turenne'sin eine äusserst missliche Lage gebracht hätte. Aeusserst langsam vor-rückend , erreichte er noch früh am Abend die Schutter, und anstatt dassich dort befindende französische Detachement anzugreifen, liess er seinHeer übernachten. Unterdessen gelang es Turenne, die Fehler in derStellung seines Heeres zu verbessern, indem er einen Theil desselben inder Nähe Strassburgs liess und seine Hauptmacht bei Altenheim concen-trirte, wohin auch Tags darauf die Ottenheimer Brücke versetzt wurde.Montecuculi, der es nicht wagte, die Franzosen in ihrer vortheilhaftenStellung anzugreifen, zog sich nach Offenburg zurück und von dort, weiles ihm an Proviant mangelte, nach Urloffen. Turenne überschritt hieraufdie Einzig und verlegte neuerdings seinen Gegnern den Weg nach Strass-burg. In seinem Rücken eine bergige und an Hülfsmitteln ärmlicheGegend, sah Montecuculi sich genöthigt, wiederum eine andere Stellungzu suchen. Nachdem er das Flüsschen Rench überschritten und, von ihmgedeckt, in einem Tage einen Flankenmarsch zum Rhein ausgeführt,nahm er seine Aufstellung in der befestigten Position von Scherzen, woer aus Strassburg auf dem Wasserwege Lebensmittel zu erlangen hoffte.Turenne, der ihm auf dem linken Ufer der Rench gefolgt war, stelltesich an deren Mündung bei Freistett auf, wo er auf den RheininselnBatterien errichtete, durch die alle Zufuhr abgeschnitten wurde. In Folgedes sumpfigen Terrains auf beiden Ufern der Rench standen beide Heeredrei Wochen lang in gänzlicher Unthätigkeit einander gegenüber, einjedes erwartend, dass das andere aus Mangel an Lebensmitteln zum Rück-zuge genöthigt werden würde. In der That stellte sich im französischen
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