3. Die benierkeuswerthesten Kriege und Feldzüge. 63
sonderbar und unklar und Turenne's unbezweifelbarer Geschicklich-keit und der ihm eigenen Handlungsweise nicht entsprechend. Es er-scheint sonderbar, dass er, um das Elsass von den Verbündeten zu säu-bern, auf weiten Umwegen nach Süden gegen Beifort marschirte, zweiMal, um sich zu verproviantiren, stehen blieb, sehr langsam vordrang,bei Beifort stehen bleibend eine Kanonade eröffnete (wie, um den Feindvon seiner Ankunft in Kenntniss zu setzen), dass er, vor dem linken Flü-gel der feindlichen Cantonirungen debouchirend. bei Mühlhausen dessenTruppen nicht abschnitt und endlich, dass er, nachdem er Türkheim ge-nommen, den Kampf nicht fortsetzte. Anstatt auf weiten Umwegen gegenSüden vorzudringen, um vor dem linken Flügel der Verbündeten zu de-bouchiren und, deren Centrum bedrohend, sie zur Concentrirung ihrerStreitkräfte zu nöthigen, wäre es für Turenne, der bei Zabern stand, be-deutend vortheilhafter gewesen, nach Westen über das Gebirge zu gehen,um hierauf wieder auf dessen Ostseite, anstatt von Süden, von Westenher vorzudringen, um gerade das Centrum der ausgedehnten Cantoni-rungen der Verbündeten anzugreifen. Da nun eine derartige Unterneh-mung einzig von der Schnelligkeit und Entschlossenheit ihrer Ausführungabhing, wäre Turenne verpflichtet gewesen, ohne Aufenthalt vorzudrin-gen, die einzelnen, zerstreuten Heerestheile des Feindes zu schlagen undzu zerstreuen, das Centrum der Verbündeten zu sprengen und dadurchbeide Flügel derselben von einander zu trennen, um hierauf, den Um-ständen gemäss, entweder die Niederlage der Verbündeten zu vollenden,oder sie zum Kückzuge nach verschiedenen Richtungen zu zwingen.Keinem Zweifel bleibt es unterworfen, dass Turenne, auf die eben ange-führte Art handelnd, die Verbündeten nicht nur auf glänzende Weiseaus dem Elsass vertrieben, sondern auch dabei noch den Vortheil erlangthätte, den Verbündeten grössere Nachtheile, ja eine gänzliche Niederlagebeizubringen, wodurch er ihnen sowohl die Möglichkeit als die Lust zuferneren Unternehmungen gegen das Elsass genommen hätte
Wie bei dem Angriff der Cantonirungen der Verbündeten sowohldie Richtung als der Angriffspunkt fehlerhaft gewählt waren, ebensofehlerhaft war die Richtung des Hauptangriffs in der Schlacht bei Ens-heim und Türkheim, das Abbrechen des Kampfes nach der Besetzung desOrtes.
Ungeachtet des eben Gesagten war der Erfolg des Feldzuges von1674, im Allgemeinen genommen, für die Franzosen ein vortheilbafterund glänzender, und sie verdankten ihn weniger der Uneinigkeit unddein Versehen der Verbündeten, als der Geschicklichkeit, mit der Turennedieselben zur Erreichung seiner Zwecke zu benutzen verstand.