02 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
durch das Gebirge führenden Pässe mehrere Detachements beorderte, umdie Verbündeten über den wahren Zweck seines Marsches vollkommen zutäuschen, während er mit seiner Hauptmacht weiter gegen Beifort rückte,das Gebirge überschritt und vor dem linken Flügel der Cantonirungs-quartiere der Verbündeten erschien. Um sich mit Proviant zu versorgen,machte er bei Beifort Halt und eröffnete hier eine starke Kanonade, um(wie er selbst erklärte) aus den Bewegungen des Feindes schliessen zukönnen, wo dieser seine Streitkräfte zu concentriren beabsichtige. Nach-dem er erfahren, dass die Truppen des linken feindlichen Flügels sich beiAltkirch und Colmar sammelten und die erstere Abtheilung sich mit derletzteren zu vereinigen bestimmt war, entschloss er sich, sie abzuschneiden,weshalb er ohne zu zögern gerade gegen Mühlhausen rückte, und zwar,um rascher dahin zu gelangen, nur mit der Reiterei, der das Fussvolknachrücken sollte. Es gelang ihm jedoch nicht, früher als der Feind beiMühlhausen einzutreffen, ja nicht einmal dessen Train abzuschneiden.Nachdem er einen Theil der feindlichen Reiterei zurückgeworfen, dranger weiter gegen Colmar vor, wo er die Hauptmacht der Verbündetenschon concentrirt und in Schlachtordnung vorfand, deren Front vomFlüsschen Fechte und verschiedenen Befestigungen gedeckt war. Derlinke Flügel der Verbündeten stützte sich auf Colmar, vor dem rechtenbefand sich eine stark coupirte, zum Operiren untaugliche Niederung,und ungefähr eine Viertelmeile vom rechten Flügel am Flüsschen Fechtelag das von den Verbündeten nicht besetzte Städtchen Türkheim. Nachdemer sich überzeugt, dass die Position des Feindes von der Fronte unan-greifbar war, stellte Turenne einen Theil seines Heeres ausserhalb Ka-nonenschussweite von ihr in Schlachtordnung auf und rückte mit demRest (1500 Mann Fussvolk, einige Reiterregimenter und einige Geschütze)jenseits der Höhen, auf Wegen, die man für unpassirbar hielt, gegenTürkheim, besetzte diesen Ort und nahm auf diese Weise auf dem rech-ten Flügel der Verbündeten Stellung. Die Letzteren beorderten nun ihreReserven, Türkheim zu nehmen, die jedoch von Turenne zurückgeworfenwurden, der nun auch nichts mehr gegen sie unternahm. Ungeachtetihres nur unbedeutenden Verlustes zogen die Verbündeten sich in derdarauf folgenden Nacht zurück. Nachdem sie in Strassburg angelangt,begaben sie sich wegen der Nähe des französischen Heeres auf das rechteRheinufer, auf dem sie ihre Winterquartiere bezogen.
So hatte denn Turenne den Zweck seines 1674 unternommenenWinterfeldzuges, die Vertreibung der Verbündeten aus dem Elsass, voll-kommen erreicht und zwar nach den Begriffen der damaligen Zeit aufeine geschickte und glänzende Weise, und dieses einzig durch seineManöver.
Nichts desto weniger erscheint so Manches in diesen Operationen