3. Die bemerkonswerthesten Kriege und Feldzüge. 61
bediente er sich des Flankenangriffs. Sonderbar und unbegreiflich er-scheint es hierbei, dass er den linken Flügel der Verbündeten zum An-griff erwählte, während der rechte Flügel derselben in taktischer Hinsichtbedeutend zugänglicher war, wobei er noch durch den Angriff auf den-selben die Verbündeten von Strassburg abgeschnitten hätte. Seinenrechten Flügel hierbei verstärkend, schwächte Turenne sein Centrumund besonders seinen linken Flügel dermassen, dass, wenn die Verbün-deten dieselben entschlossener angegriffen hätten, er unfehlbar geschlagenworden wäre. Den grössten Theil ihrer Streitkräfte gegen den AngriffTurenne's verwendend, griffen die Verbündeten seinen rechten Flügelnur schwach an, weshalb sie auch nicht den geringsten Erfolg erzielten.
So blieb denn die Schlacht bei Ensheim unentschieden und verur-sachte beiden Theilen nur einen grossen Menschenverlust. Beide Armeenzogen sich zurück; die Franzosen gegen Zabern, wo sich ihre Magazinebefanden, und die Verbündeten gegen Strassburg.
Mitte October endlich stiess der Kurfürst zu den Verbündeten,deren Streitkräfte jetzt 57,000 Mann betrugen (33,000 Mann Fussvolk,24,000 Mann Eeiterei), doch zogen sie nicht den geringsten Nutzen ausdieser Ueberlegenheit ihrer Streitkräfte. Wie immer, so herrschten auchjetzt Uneinigkeit und Zwietracht zwischen ihren Generälen, und ihrenOperationen mangelte es an Entschlossenheit, oder, noch richtiger gesagt,ihre Streitkräfte verharrten in gänzlicher Unthätigkeit. Turenne, derunterdessen gleichfalls Verstärkungen erhalten, verstand es, die Uneinig-keit und Unentschlossenheit seiner Gegner zu benutzen, die er durch eineblos zum Schein ausgeführte Offensiv-Bewegung zum Rückzug gegenStrassburg zwang. Hiermit nicht zufrieden, wollte er die Verbündetenzwingen, das Elsass gänzlich zu verlassen, und erlangte vom Könige dieGenehmigung, den zu diesem Zwecke von ihm entworfenen Plan eines"Winterfeldzuges auszuführen. Ehe Turenne aber hierzu schritt, suchteer die Verbündeten irre zu führen und sie zur Nachlässigkeit zu verleiten,zu welchem Zwecke er seine Truppen die Winterquartiere zwischen Za-bern und Hagenau beziehen Hess, sich so das Ansehen gebend, als be-absichtige er in diesem Jahre Nichts mehr zu unternehmen. Sobald dieVerbündeten gleichfalls die Winterquartiere bezogen hatten, und zwarauf der weitläufigen Strecke von Benfeld bis Beifort, zwischen den Vo-gesen und dem Rhein, führte Turenne im December seine Hauptmachtauf Schleichwegen über das Gebirge, dessen westlichen Abhang entlangnach Süden, gegen Remiremont. Hier machte er Halt, sowohl um seinedurch die schlechten Wege aufgehaltene Infanterie zu erwarten, als auchum sich mit Proviant zu versorgen. Hier erhielt er die Nachricht, dassdie durch seinen Marsch aufgeschreckten Verbündeten ihre Truppen zu-sammenzuziehen begännen, weshalb er gegen die von Westen ins Elsass