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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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3. Die bemerkenswerthesten Kriege und Felclziige. 59

Zu diesem Zwecke wurde Bournonville mit Verstärkungen aus Frankenzum Neckar beordert. Caprara rückte ihm entgegen. Hiervon benach-richtigt, beschloss Turenne. ehe es ihnen gelang, sich zu vereinigen, sieeinzeln zu schlagen, weshalb er mit 9500 Manu den Rhein bei Philipps-burg überschritt und rasch gegen Heidelberg vorrückte. Unterwegs er-fuhr er, dass Caprara sich nach Wimpfen gewendet; sofort bog er rechtsnach Wiesloch ab, verlegte bei Sinsheim Caprara den Weg, überfiel undschlug ihn und zwang ihn zum Rückzuge, worauf er selbst über denRhein zurückkehrte und bei Neustadt Stellung nahm.

Die Schlacht bei Sinsheim ist wegen der taktischen AnordnungenTurenne's bemerkenswerth, die ihm den Sieg verschafften, ungeachtetsie der damals im Kampfe gebräuchlichen Aufstellung der Truppen nichtentsprachen. Die Verbündeten, 15,000 Mann Fussvolk und 6000 MannReiterei, hatten auf einer von steilen Abhängen umgebenen Hochebenehinter der Elsenz Stellung genommen und die vor derselben sich befin-dende Schlucht, wie das Städtchen Sinsheim besetzt. Turenne, zu dessenDisposition 6000 Mann Fussvolk und 3500 Mann Reiterei standen, über-schritt die Elsenz, nahm Sinsheim und die Schlucht. worauf er die Po-sition der Verbündeten angriff, wobei die Reiterei das Centrum und dasFussvolk, das die mit Obst- und Weingärten bedeckten, steilen Abhängeersteigen musste, die Flügel bildete. Gleich nachdem das französischeFussvolk beide Flügel der Verbündeten geworfen, griff die Reiterei dasCentrum an und vollendete dadurch die Niederlage desselben. Somithatte Turenne einen Sieg erfochten, ungeachtet er, von der dazumal ge-bräuchlichen Regel abweichend, die Reiterei ins Centrum und die Infan-terie auf die Flügel stellte, den Feind, anstatt von der Fronte, auf beidenFlügeln angriff und, die Versehen seiner Gegner geschickt benutzend,seine Truppen, nachdem er ihnen eine dem Terrain entsprechende Auf-stellung angewiesen hatte, dem zu Folge operiren Hess. Das bedeu-tendste Versehen seiner Gegner bestand darin, dass sie, auf eine Ver-einigung mit Bournonville hoffend, den Kampf annahmen, anstatt ihmauszuweichen und sich zurückzuziehen, was um so empfehlenswertherwar, da Turenne nicht lange auf dem rechten Rheinufer verharren konnte.

Turenne, nachdem er über den Rhein zurückgekehrt, verstärkte seinHeer bis auf 16,000 Mann. Auf die Nachricht, dass die Verbündeten sichvereinigt und in Erwartung neuer Verstärkungen eine feste Stellung beiLadenburg am rechten Neckarufer nach seiner Mündung zu genommen,überschritt Turenne von Neuem denRhein bei Philippsburg, rückte gegenden Neckar, den er Angesichts des 13,000 Mann starken Heeres derVerbündeten überschritt, und zwang sie, sich über den Main nach Frank-furt zurückzuziehen. Dieser Rückzug war so übereilt und wurde mitsolch einer Unordnung ausgeführt, dass er mehr einer Flucht glich und