58 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
Allgemeinen ungünstig, während sie den Verbündeten bedeutendeVortbeile gewährten. Die Ersteren waren genöthigt, Holland zu räumen,während die Letzteren bedeutende Streitkräfte am linken Rheinufer con-centrirten, Bonn einnahmen und die Gegend zwischen der Maas und demRhein besetzten. Die Verbündeten Ludwig's XIV. , der Kurfürst vonKöln und der Bischof von Münster, traten auf die Seite seiner Gegner, undder König von England musste mit Holland Frieden schliessen, weil dasParlament ihm die weiteren Mittel zur Fortsetzung des Krieges versagte.
Bemerkenswerth ist dieser Feldzug dadurch, dass erstens in ihmnicht eine einzige Schlacht vorfiel, wenngleich sich hierzu die Gelegenheitbei Rothenburg und Lohr bot, und zweitens dadurch, dass beide Theileihre Zwecke nur durch Manöver zu erreichen strebten.
Dass es den Verbündeten vollkommen gelang, ihren Zweck zu er-reichen , während Turenne den ihm gegebenen Auftrag nicht ausführenkonnte, lag einzig darin, dass die Verhältnisse für die Ersteren voll-kommen günstig, für den Letzteren gerade das Gegentheil waren. Be-schränkt in seinen Handlungen und zur Durchführung des ihm gegebenenschweren Auftrages mit nur äusserst geringen Mitteln und Streitkräftenversehen, hatte Turenne Alles, was von ihm abhing und was er zu thunim Stande war, geleistet.
Der Rückzug Luxembourg's aus Holland bestätigte aufs Augenschein-lichste die Richtigkeit des von Turenne gemachten Vorschlags, dieFestungen zu schleifen, anstatt sie zu besetzen. Anstatt die Beherrschungdes Landes zu sichern, wurde durch die Besetzung eines grossen Theilesder Festungen das Heer nur nutzlos zersplittert, so dass zur Erreichungwichtiger Zwecke im Felde für Turenne am Rhein, Conde zwischen Maasund Rhein und Luxembourg in Holland nur geringfügige Streitkräfteübrig blieben, im Vergleich zu den von den Verbündeten concentrirten,überlegenen Streitkräften.
§. 27.Der Feldzug des Jahres 1674. Turenne's Vertheidigung des Elsasses.
Mit dem Jahre 1674 erhoben sich neue Feinde gegen Ludwig XIV.,von denen der bedeutendste der Kurfürst von Brandenburg war, dersich wieder mit dem Kaiser vereinigt hatte. Turenne bekam den Auf-trag, mit 12,000 Mann das Elsass und den mittlem Rhein zu decken.
In der Umgegend von Zabern, in der er seine Hauptniederlage vonProviant und Kriegsbedarf errichtet, Hess er seine Truppen Stellungnehmen. Ihm gegenüber auf dem rechten Rheinufer, in der Nähe Heidel-bergs befand sich ein 10,000 Mann starkes Heer kaiserlicher und ver-bündeter Truppen unter dem Herzoge von Lothringen und Caprara. DieVerbündeten beabsichtigten hier bedeutende Streitkräfte zu concentriren.