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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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56 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

Aschaffenburg und Würzburg. Den erhaltenen Instructionen gemässdurfte Turenne keine Gewalt brauchen und musste zu Unterhandlungenschreiten. Das Misslingen derselben nöthigte Turenne, eine Brückeüber den Main bei Seligenstadt zu schlagen.

Bald darauf versprach der Bischof von Würzburg strenge Neu-tralität zu beobachten, und der Commandant von Asciiaffenburg über-liess ihm die in dieser Stadt befindliche Brücke. Alles dieses hatteTurenne so lange aufgehalten, dass, als er bei Aschaffenburg den Mainpassirte, Montecuculi sich schon auf dem Marsche von Nürnberg nachdiesem Fluss befand. Nachdem er einige Punkte an der Tauber besetztund in ihnen seine Magazine errichtet hatte, rückte Turenne Montecuculientgegen. Beide Heere langten fast gleichzeitig bei Rothenburg an.Turenne, der es hier zur Schlacht kommen lassen wollte, begann seinHeer in Schlachtordnung zu stellen. Montecuculi, dessen Hauptzweckes war, sich mit dem Prinzen von Oranien zu vereinigen, wich geschicktdem Kampfe aus, indem er, vor der Fronte des französischen Heeres,gedeckt durch seine in Schlachtordnung aufgestellte erste Linie, einenFlankeilmarsch gegen den Main ausführte. Vermittelst eines ähnlichenManövers nach links, eilte auch Turenne zum Main. Während diesesManövers marschirten beide Heere parallel und fast einander im Ange-sichte, was wohl sonderbar erscheinen mag, wenn man nicht in Betrachtzieht, wie unfähig die Heere damaliger Zeit waren zu deployiren undaus dem Marsch in die Schlachtordnung überzugehen.

Es ist zu vermuthen, dass Montecuculi die Absicht hatte, durch denMarsch nach Rothenburg Turenne nur vom Main abzuziehen, um die fürdas kaiserliche Heer freien Uebergänge über diesen Fluss zu benutzenund gegen den Rhein und Bonn vorzudringen, während die Franzosendahin nur auf dem linken Mainufer gelangen konnten, d. h. auf demweitesten Wege, in Folge der vielen Krümmungen dieses Flusses.

Nachdem sie den Main erreicht, nahm Montecuculi eine feste Stellungbei Marktbreit und Turenne ihm gegenüber bei Ochsenfurt. Hier warenalle Vortheile auf Seiten Montecuculi's, da er die Mainübergänge beiWürzburg, Kitzingen und verschiedenen anderen Orten in seiner Gewalthatte, wodurch er die Aschaffenburger Brücke und mit ihr Turenne'sCommunication mit dem Niederrhein bedrohen konnte. Turenne, demdies vollkommen klar war, detachirte ein Drittel seines Heeres nachAschaffenburg und blieb selbst mit dem Rest an der Tauber stehen.

Der Bischof von Würzburg brach das gegebene Versprechen underlaubte dem kaiserlichen Heere, über die Brücken bei Würzburg undKitzingen den Main zu passiren. Um wieder auf das rechte Mainufer zugelangen, begann Montecuculi eine Brücke bei Lohr zu schlagen. WennTurenne jetzt die kaiserliche Armee angegriffen hätte, so hätte er sie in