3. Die bemerkenswerthesteu Kriege und Feldzüge. 55
bürg zurück, und unzufrieden mit dem Kaiser und dessen Heere, schlosser mit Ludwig XIV. einen Separatfrieden.
So hatte denn Turenne, indem er die Zwietracht der Verbündetengeschickt zu benutzen wusste, einzig durch seine Manöver das rechteUfer des Niederrheins von ihnen gesäubert, sie gezwungen, ihrem Vor-haben, Holland beizustehen, zu entsagen und sich nach Brandenburg undBöhmen zurückzuziehen, in Folge dessen der Separatfriede zwischendem Kurfürsten von Brandenburg und Ludwig XIV. zu Stande kam.
§.26.Der Feldzug von 1673. Die Operationen Turenne's und Monteeueuli's
am Main und Rhein.
Im Frühjahre 1673 erklärte der Kaiser Frankreich den Krieg. Unterdem Oberbefehl Montecuculi's sollten 30,000 Mann kaiserlicher Truppenaus Böhmen gegen den Niederrhein rücken, ihn überschreiten und beiBonn sich mit dem holländischen Heere des Prinzen von Oranien ver-einigen, welches, nachdem es die Maas überschritten, aus Holland dort-hin kommen sollte. Turenne beabsichtigte, sich direct gegen denBöhmer-wald zu richten, um das kaiserliche Heer an dem Uebergange über den-selben zu verhindern. Louvois, der für das Elsass besorgt war, verwarfdiesen Plan und beredete Turenne, am linken Rheinufer eine feste' Stellung zu nehmen, um so das Elsass zu decken und zu schirmenund zugleich die Vereinigung des kaiserlichen und holländischenHeeres zu hintertreiben — zwei einander nicht im Geringsten ent-sprechende Aufgaben, die um so schwieriger waren, da Turenne nur23,000 Mann zur Verfügung hatte. Turenne erbat sich von Ludwig XIV.die Erlaubniss , wenigstens defensiv auf dem rechten Rhein - und Main-Ufer zu operiren; es wurde ihm gestattet, auf das rechte Rheiuuferüberzusetzen, doch mit der Bedingung, auf beiden Mainufern zu operiren,wobei es ihm zur Pflicht gemacht wurde, die neutralen Länder zu schonenund sich in ihnen nicht die geringste Eigenmächtigkeit zu erlauben, umsie nicht gegen Frankreich aufzureizen. So in seinen Handlungen beengt,musste Turenne mit einer geringen Truppenzahl eine grosse Landstreckedecken, einerseits das Elsass schirmen, anderseits die Vereinigung derfeindlichen Heere verhindern.
Nachdem er die böhmischen Gebirge überschritten, richtete Monte-cuculi seinen Marsch nicht gegen Bonn. sondern, um Turenne zu täu-schen, gegen Nürnberg, indem er seinen Bewegungen denAuschein gab,als richtete er sie gegen das Elsass. In Folge dessen erhielt Turenneden Befehl, auf das linke Mainufer überzugeben. Die Fürsten der amMain gelegenen neutralen Reichsgebiete, die mehr zum Kaiser als zu denFranzosen neigten, verweigerten Turenne die Benutzung der Brücken von