54 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.
gaben, um den'Kurfürsten von Köln und den Bischof von Münster zuzwingen, die den Holländern entrissenen Landstrecken zurückzugebenund dem Bündnisse mit Ludwig XIV. zu entsagen, änderten, sobald sievon dem Marsche Turenne's gegen sie erfuhren, ihr Vorhaben und rich-teten sich mehr nach Süden gegen Fulda. Turenne, der sie nicht ausdem Auge verlor, marschirte nun den Rhein hinauf an dessen rechtemUfer bis nach Koblenz hin, wodurch er sie zwang, eine noch mehr süd-liche Richtung gegen den Main zu nehmen. Auf diese Weise gelang eserst den Verbündeten, sich dem Rhein zu nähern, nachdem sie in derNähe Frankfurts den Main passirt, und als Ludwig XIV., für das Elsassfürchtend, Turenne befohlen, auf das linke Rheinufer zurückzukehren,wohin Conde mit 7—8000 Mann beordert wurde, j Um den Verbündetenden Uebergang über den Rhein zu erleichtern, unternahm der Prinz vonOranien mit 12,000 Mann eine Scheinbeweguug gegen den Rhein, wobeier aber äusserst langsam und unentschlossen operirte; seine Unterneh-mungen hierbei bestanden nur in der Eroberung des unbedeutenden Schlos-ses Fauquemont und der misslungenen Belagerung von Charleroi, vor wel-chem es ihm nicht einmal gelang, die Laufgräben zu eröffnen. Nach demmissglückten Versuche, den Rhein bei Mainz und darauf bei Strassburgzu überschreiten, passirten ihn die Verbündeten endlich bei Mainz aufeiner von ihnen geschlagenen Brücke, jedochmussten sie, von Turenne, dersich mit Conde vereinigt, gezwungen, sich wieder auf das rechte Rhein-ufer zurückziehen. Der unterdessen eingetretene "Winter, desgleichenKrankheiten und Unordnung im Heere, Mangel an Proviant und diebeständigen Zerwürfnisse zwischen den Verbündeten, zwangen sie (imJanuar 1673), sich gegen LippStadt in Westphalen zurückzuziehen. Aufgrossen Umwegen sich dahin begebend (um die neutralen hessischenLande zu meiden), verloren die Verbündeten ungefähr */ 3 ihrer Truppen,und zwar ohne von den Franzosen verfolgt zu werden.
Ihre Stellung bei Lippstadt machte es den Verbündeten möglich,über die Yssel nach Holland vorzudringen. Turenne entschloss sich, demvorzubeugen und die Verbündeten hieran zu verhindern. WenngleichLouvois es ihm untersagt hatte, den Rhein zu überschreiten und irgendetwas im Laufe des Winters zu unternehmen, so passirte Turenne mitGenehmigung des Königs bei Wesel den Rhein mit 16,000 Mann undrückte gegen Lippstadt vor. Die Zerrüttung der vereinigten Heere undhauptsächlich die Uneinigkeit unter ihnen zwangen die Verbündeten, sichaus Westphalen in verschiedenen Richtungen zurückzuziehen. Diekaiserlichen Truppen begaben sich nach Böhmen, indessen der Kurfürstvon Brandenburg anfangs nach Minden marschirte, um in Braunschweigzu überwintern; da ihm dies jedoch vom Herzoge von Braunschweigund anderen Fürsten verweigert wurde, so zog er sich nach Branden-