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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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3. Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge. 53

die Garnisonen der von den Franzosen genommenen Festungen gebildethatten, wodurch er die Holländer der Mühe, ein neues Heer zu werben,überhob. Der Prinz von Oranien schien seinerseits. abgesehen von derDurchstechung der Dämme, durch seine vorhergehende Handlungsweiseeher die Erfolge der Franzosen zu begünstigen, als ihnen entgegenzu-treten.

Ein 24,000 Mann starkes Heer unter der persönlichen Anführungdes Kurfürsten von Brandenburg und ein 19,000 Mann starkes kaiser-liches Heer unter dem Grafen Montecuculi kamen den Holländern imAugust zu Hülfe; das erste bewegte sich von Halberstadt aus gegen Hil-desheim, das letztere aus Böhmen gegen Erfurt. Nach Vereinigung beiderHeere beabsichtigte man den Bhein zu passiren, um im Kücken Luxem-bourg's zu operiren und ihn dadurch entweder von Frankreich abzu-schneiden oder ihn zu einem Rückzüge aus Holland zu nöthigen. Sogeschah es, dass Turenne die schwere Aufgabe hatte, mit seinen 12,000Mann das 43,000 Mann starke Heer der Verbündeten am Rhein aufzu-halten.

Durch Kühnheit und Entschlossenheit des Handelns wollte er dieSchwäche seiner Streitkräfte ersetzen. Sicher und unfehlbar gründetensich seine Combinationen auf den ihm bekannten Charakter seiner Gegner,deren Plan er durchschaute. Er wusste, dass die Verbündeten nichtbeabsichtigten, ins Elsass einzudringen, sondern ihre ganze Aufmerk-samkeit auf Holland richten würden; denn er sah voraus, dass zwi-schen ihnen Uneinigkeit und Zerwürfniss entstehen und dass es ihrenOperationen an Einheit und Entschlossenheit fehlen würde undtäuschte sich hierin nicht. Der Kaiser, dem die ungarischen Unruhen,wie die Erfolge der Türken in Polen grosse Besorgniss verursachten,hatte nicht die Absicht, den Franzosen entschlossen entgegenzutreten,weshalb er Montecuculi befahl, sich den energischen Operationen desKurfürsten zu widersetzen und womöglich dessen Unternehmungen zuhemmen. So beschloss denn Turenne, sich nicht auf die unmittelbareVertheidigung des linken Rheinufers zu beschränken, sondern auf dasrechte überzugehen, dem Feinde entgegen, und ihn durch kühne undentschlossene Offensiv-Operationen zur Defensive und zum Aufgebenseines Vorhabens zu zwingen. Dieser kühne Operationsplan Turenne'sist um so bewunderungswürdiger, da er sowohl der damals gebräuch-lichen, unentschlossenen und schüchternen Handlungsweise völlig ent-gegen war, wie auch deshalb, weil die Streitkräfte Turenne's fast dreiMal geringer als die der Verbündeten waren.

Nachdem er sein Heer durch die Garnisonen von Wesel, Rees undEmmerich bis auf 17,000 Mann verstärkt, drang er von Wesel aus längsder Lippe nach Westphalen. Die Verbündeten, die sich ebenfalls dahin be-